Tierschutz: Fress-/Liegeplatzverhältnis

In seiner Eigenschaft als Regionalstelle Bayern für QM-Milch e.V. wurde der Verband der Milcherzeuger Bayern e.V. (VMB) Anfang des Jahres seitens des Bayerischen Staatsministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten im Einvernehmen mit dem Ministerium für Umwelt und Verbraucherschutz von einem Schreiben an die Ämter für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten über die geltenden Tierschutz-Anforderungen informiert.

Bezüglich des Tier-Liegeplatz-Verhältnisses sind zwar sowohl im Tierschutzgesetz wie auch in der Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung keine konkreten Anforderungen enthalten. Jedoch ist in den europäischen Übereinkommen zum Schutz von Tieren in landwirtschaftlichen Tierhaltungen aus den Jahren 1976 sowie im Erlass aus dem Jahr 1988 festgelegt, dass bei Laufstallhaltung die Zahl der aufgestellten Tiere die Zahl der verfügbaren Liegeboxen nicht überschreiten darf.

Hier lesen Sie: Europäisches Übereinkommen zum Schutz von Tieren in landwirtschaftlichen Tierhaltungen.

Diese Empfehlung ist dem aktuellen Schreiben zufolge verbindlich und bei behördlichen Entscheidungen zwingend zu beachten. Deswegen ist ein Überbesatz an Tieren, im Verhältnis zu den vorhandenen Liegeplätzen, in der Laufstallhaltung bei Milchviehhaltung nicht zulässig, so der Inhalt des Schreibens.

Was bedeutet dies nun für die Milchviehhalter?

Im aktuellen Standard von QM-Milch ist das Kriterium "Es ist ausreichend Liegeraum für die Kühe vorhanden" kein KO-Kriterium. Eine Nichterfüllung ergibt 0 Punkte, eine Überbelegung mit maximal 10 Prozent wird akzeptiert und bringt 1 Punkt, keine Überbelegung wird mit 2 Punkten honoriert.

Die Behörden tragen diese vom QM-Milch e.V. für den aktuellen Standard getroffene praktikable Lösung dem Schreiben zufolge allerdings nicht mit. Wie mit dem noch zwei Jahre geltenden Standard verfahren wird, muss in den Gremien von QM-Milch e.V. erst diskutiert werden. Nach aktuellem Stand werden und müssen sich die mit der Auditierung beauftragten Zertifizierungsstellen sich konsequent an den vorgegebenen Standard von QM Milch e.V. richten. Auf jeden Fall sollte aber der erneute sehr deutliche Hinweis der bayerischen Verwaltung die Milchvieh haltenden Betriebe sensibilisieren. Angesichts der laufenden, oft emotionalen Debatten um Tierwohl haben die Milchviehhalter in solchen Fragen leider nicht immer die besseren Argumente, von den Vorgaben abweichen zu dürfen. Ebenso verhält es sich mit dem Tier-Fressplatz-Verhältnis. Alle Tiere müssen täglich angemessenen Zugang zu geeignetem Futter haben, hier wird in bereits angesprochener Vorgabe konkret ein Verhältnis von 1:1 vorgegeben. Ausnahmen werden bei freier Verfügbarkeit von Raufutter (Verhältnis 1,2:1) und beim Einsatz von "Melkrobotern" (Verhältnis maximal 1,5:1) gewährt.

Was passiert jetzt in der praktischen Umsetzung? Auch hier sollte nachhaltig eine Sensibilisierung für dieses Thema erfolgen. Denn die Kontrollbehörden haben wohl auf der rechtlichen Grundlage basierend die Möglichkeit, eine Anpassung der Anzahl der Tierzahl an die baulichen Gegebenheiten anzuordnen.

 

 © Dr. Hans-Jürgen Seufferlein, VMB (Regionalstelle Bayern für QM Milch e.V.)

PC Version
Mobile Version
Der Milchprüfring Bayern e.V. verwendet Cookies, um die bestmögliche Funktionalität anzubieten. Mit ihrer Hilfe können wir Komfort und Qualität unseres Services verbessern. Durch die Nutzung der Milchprüfring Bayern Homepage erklären Sie sich mit der Verwendung von Cookies einverstanden. Mehr Infos