Prüfung der Probenahmegeräte in Milchsammelwagen

Bekanntmachung des Bayerischen Staatsministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten vom 03.09.1997 Nr. MT 1 - 7601.87-193.
Gemäß § 2 Abs. 3 der Verordnung zur Ausführung der Verordnung über die Güteprüfung und Bezahlung der Anlieferungsmilch (AV-Milch-Güteverordnung) vom 7. Dezember 1988 (GVBl Nr. 27, 1988 S. 387) wird für das Prüfverfahren von Probenahmegeräten in Milchsammelwagen und deren Einsatz zur Güteprüfung der Anlieferungsmilch folgendes bestimmt:

I. Anforderung an die Probenahmegeräte

1. Die Proben für die Milchuntersuchung sind automatisch zu entnehmen. Das Probenfüllvolumen muss zwischen 30 ml und 42 ml betragen. Die Probeflaschen dürfen ausschließlich zum Zwecke der automatischen Probenahme verwendet werden. Zur Ziehung amtlicher Milchproben dürfen nur Probeflaschen verwendet werden, welche vom Milchprüfring bereitgestellt wurden.

2. Die entnommene Probe muss repräsentativ für die jeweilig übernommene Anlieferungsmilch eines Lieferanten sein.

3. Das ordnungsgemäße Arbeiten der Probenahmegeräte bei der Annahme der Milch eines Lieferanten muss überwachbar gewährleistet und die Möglichkeit einer Beeinflussung ausgeschlossen sein. Die Mengenangabe je Schaltstufe muss deutlich erkennbar sein. Die Stellung der Mengenvorwahl darf nach Beginn der Milchannahme nicht mehr verändert werden können.

4. Die Behältnisse zur Aufnahme der Probeflaschen sind so zu befestigen, dass eine einwandfreie Probenahme gewährleistet ist. Die Milchproben müssen nach der Abfüllung bei Umgebungstemperaturen von + 4° C bis + 8° C gelagert werden. Für den Winterbetrieb muss die Probenahmeanlage beheizbar sein.

5. Das Probenahmegerät muss zusammen mit dem Ansaugschlauch in den Reinigungs- und Desinfektionskreislauf des Milchsammelwagens einbezogen werden können und für manuelle Reinigung leicht zerlegbar sein. Die Länge des Saugschlauches darf 6 m nicht überschreiten. Die bei der Prüfung festgestellte Saugschlauchlänge und der Durchmesser müssen auf der Prüfungsplakette ersichtlich sein. Eine Verlängerung des Saugschlauches im Zeitraum zwischen zwei Prüfungen ist nur mit Zustimmung der Prüfstelle gestattet.

6. Probenahmegeräte müssen so konstruiert sein, dass sie den lebensmittelhygienischen Grundsätzen entsprechen. Sie müssen einschließlich Dichtungen und Schläuchen aus lauge- und säurefestem sowie dampfbeständigem Material hergestellt sein.

7. Der Saugrüssel muss so in der Annahmekabine befestigt sein, dass eine hygienisch bedenkliche Beeinflussung und die Übernahme von Tropfmilch ausgeschlossen sind.

8. Die Abfüllvorrichtung muss zusammen mit den Behältnissen zum Aufnehmen der Proben in einem gegen Spritzwasser und Staub geschützten Gehäuse untergebracht sein.

9. Bei allen ab 01.01.1998 erstmals zugelassenen Milchsammelwagen muss kontrollierbar gewährleistet sein, dass eingeleitete Probenahmevorgänge vor der nächsten Milchannahme abgeschlossen sind. Dies gilt auch beim Ausschalten des Systems über den Nebenantrieb. Art und Umfang der Daten, aus denen der korrekte Abschluss des Probenahmevorgangs hervorgeht, werden von der Prüfstelle festgelegt.

10. Bei der Prüfung nach Abschnitt II müssen die Probenahmegeräte folgenden Bedingungen entsprechen:

10.1 Repräsentativität
- Die durchschnittliche Differenz XD der über den Sammelwagen gezogenen Proben zum Durchschnitt der Handproben
darf ± 0,05 % Fett nicht überschreiten.
- Die Standardabweichung der Differenzen SD darf nicht größer als 0,08 % Fett sein
- Die Einzeldifferenz zwischen einer über den Sammelwagen gezogenen Probe und dem Durchschnitt der Handproben
Die Prüfung auf Funktionsfähigkeit umfasst alle Stufen der Teilstromregulierung.
Die Prüfstelle hat das Recht, die Prüfungsmengen variabel zu gestalten, wobei auch Mengen über 1000 l zur Prüfung herangezogen werden können, falls vom Milchsammelwagen derartige Mengen angenommen werden.
Die Prüfungsmengen werden im Allgemeinen so gewählt, dass bei Geräten mit Teilstromregulierung die untere Mengenangabe der eingestellten Stufe um 20 l überschritten wird. Je Stufe sind 2 Proben zu entnehmen. Bei Geräten ohne Teilstromregulierung sind mindestens je 2 Proben in drei verschiedenen Mengenbereichen zu nehmen. Die Mengenbereiche können auch den jeweiligen Probenahmegeräten entsprechend unterschiedlich festgelegt werden. Dabei sind insbesondere Bereiche zu wählen, in welchen die repräsentative Probenahme durch das zu prüfende Probenahmegerät gefährdet erscheint.

10.2 Verschleppung
Bei einer dreimal im Wechsel unmittelbar aufeinanderfolgenden Annahme von Rohmilch und Magermilch wird der Durchschnittsfettgehalt der vom Probenahmegerät gezogenen Magermilchproben mit dem ermittelten Durchschnittsfettgehalt der Standardprobe (Abschn. II, Nr.4) verglichen.
Der Fettgehalt jeder automatisch gezogenen Magermilchprobe muss den Durchschnittsfettgehalt der Standardproben unterschreiten. Lediglich ein Einzelergebnis der vom Probenahmegerät gezogenen Magermilchproben darf den Durchschnittsfettgehalt der Standardproben bis zu 10 % überschreiten. Grundlage der Verschleppungsprüfung ist, das Probenahmegerät vor der Magermilchannahme möglichst stark mit Rohmilch zu belasten.

Systeme ohne direkte Injektion in die Probeflasche

- Rohmilch:
Die Rohmilchannahmemengen sind für alle Annahmen so zu wählen, dass vorhandene Probenvorlaufbehälter mind. zu 3/4 gefüllt und damit entsprechend vorbelastet sind. Bei Systemen mit mehr als einer verwendbaren Abzweigmengenvorwahlstellung ist für alle Rohmilchannahmen die Abzweigmengenvorwahlstellung einzustellen, in der die größte Teilstrommenge abgezweigt und damit eine hohe Vorbelastung des Systems erreicht wird.

- Magermilch:
Als Magermilchmenge ist für vorwahlstellungsfreie Systeme die vom Hersteller angegebene Mindestmilchmenge, mindestens jedoch 20 Liter, für alle Annahmen zu verwenden.
Für die Magermilchannahmen ist bei Systemen mit mehr als einer verwendbaren Abzweigmengenvorwahlstellung die Vorwahlstellung einzustellen, in welcher die geringste Teilstrommenge abgezweigt wird. Die für alle Magermilchannahmen zu verwendende Magermilchmenge richtet sich dabei nach der vom Hersteller angegebenen Mindestannahmemenge, für die bei der Magermilchannahme eingestellte Abzweigmengenvorwahlstellung. Dabei sollen die für alle Magermilchannahmen verwendeten Magermilchmengen so gewählt werden, dass die vom Hersteller angegebene Mindestannahmemenge für die eingestellte Abzweigmengenvorwahlstellung um 20 Liter unterschritten wird.

Systeme mit direkter Injektion in die Probeflasche

Bei Probenahmegeräten, welche direkt in die Probeflasche injizieren und somit keinen Probenvorlaufbehälter oder baulich ähnliche Einrichtungen aufweisen, sind einmal 40 Liter und zweimal 80 Liter Rohmilch zu verwenden. Die verwendete Magermilchmenge darf 30 Liter nicht überschreiten. Liegt die annehmbare Mindestmilchmenge bei diesen Systemen über 20 Liter, so ist einmal die zweifache und zweimal die vierfache Menge der Mindestmilchmenge als Rohmilchmenge anzunehmen. Als Magermilchmenge ist hier jeweils die annehmbare Mindestmilchmenge zu verwenden.
Zu jeder Annahme von Roh- oder Magermilch muss der Saugschlauch vollständig ausgerollt sein und am Boden aufliegen. Er darf auch am Ende einer Annahme nicht angehoben werden um eine vollständige Entleerung zu gewährleisten. Das Aufstützen und Abdichten des Saugrüssels ist höchstens einmal gestattet. Die Sauglanze ist bis zum Ende des Probenabfüllvorganges in dem jeweiligen Gefäß zu belassen. Der Probenabfüllvorgang ist praxisgerecht auszulösen. Die Prüfstelle hat das Recht, die zur Prüfung verwendeten Milchmengen bei den einzelnen Systemen so zu variieren, dass durch die Verschleppungsprüfung eine geringere als dreiprozentige Verschleppungsquote bei allen im täglichen Einsatz tolerierten Annahmesituationen garantiert werden kann.

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