Projektbeschreibung

Ziel des Projektes

Die Grundidee des Gemeinschaftsprojektes von Milchprüfring Bayern e.V., LKV Bayern e.V. und der Klinik für Wiederkäuer Oberschleißheim ist die Erforschung, Entwicklung und Umsetzung eines Frühwarnsystems für Energiestoffwechselprobleme bei Kühen in der kritischen Phase vom 5. bis 50. Laktationstag. Aus den bei der Milchleistungsprüfung sowieso anfallenden Infrarotspektren der Milch sollen zusätzliche Informationen bezüglich des Risikos oder des Vorliegens einer subklinischen Ketoseerkrankung gezogen werden. Somit wäre bei Etablierung des Systems eine frühzeitige Erkennung von Problemen und Einleitung von Gegenmaßnahmen möglich. Dadurch kann die Herdensituation jederzeit überwacht und steuernd beeinflusst werden. Das Projekt dient der Verbesserung der Gesundheit und des Wohlbefindens der Tiere und zielt auf einen geringeren Antibiotikaeinsatz und eine Optimierung von Fütterung und Haltung ab. Zudem könnten die enormen wirtschaftlichen Schäden durch Leistungseinbußen, insbesondere aufgrund von Sekundärerkrankungen bei Ketosen vermieden werden.

Infrarotabsorptionsspektroskopie (IR-Spektroskopie)

Die IR-Spektroskopie ist die Analysemethode der Wahl zur Bestimmung der Milchinhaltsstoffe Fett, Eiweiß, Laktose und Harnstoff. Sie basiert auf der Absorption von Infrarotlicht durch Milch und variiert je nach der Art und Konzentration der in der Milch enthaltenen Stoffe. Das Infrarotspektrum spiegelt somit die Summe aller Veränderungen unter anderem bei Ketosen (Fett-Eiweiß-Verhältnis, Ketonkörper…) wieder.

Praktischer Teil des Projektes

Im praktischen Teil dieses Projektes stehen Betriebsbesuche auf ungefähr 30 Melkroboterbetrieben einmal die Woche über einen Zeitraum von sieben Wochen an. Hier werden alle Tiere zwischen 5. und 50. Laktationstag klinisch untersucht, wobei das Hauptaugenmerk auf Ketose, Euter- und Klauengesundheit liegt. Parallel zur klinischen Untersuchung werden einmal pro Woche automatisch Milchproben der Tiere gezogen und beim mpr der Infrarotspektroskopie unterzogen. Im nächsten Schritt folgt bei dem Vergleich der IR-Spektren gesunder, subklinisch und klinisch erkrankter Ketosekühe die Ermittlung signifikanter Unterschiede und anhand derer die Entwicklung eines Frühwarnsystems für den Routineeinsatz.

Im Rahmen der Versuchsdurchführung kommt es zu keiner messbaren zusätzlichen Belastung ihrer Tiere. Grundlage des Projektes ist die klinische Untersuchung der Kühe, welche auch sonst in der Rinderpraxis angewendet und in unserem Fall lediglich standardisiert durchgeführt und genau dokumentiert wird. Auch die Entnahme der Blutproben, der „Metricheck“ und die rektale Untersuchung werden analog zum Vorgehen in der täglichen Praxis durchgeführt.

Vorteile für die teilnehmenden Betriebe

Durch die regelmäßigen Betriebsbesuche erhalten die Tierbesitzer einen guten Überblick über den Stoffwechselstatus der Herde in der kritischen Phase zwischen 5. und 50. Laktationstag. Dies macht eine frühzeitige Erkennung von gefährdeten Tieren und eine schnellstmögliche Therapie möglich und kann somit die Wirtschaftlichkeit des Betriebes verbessern. Zusätzlich werden im Rahmen der Untersuchung auch Blutproben genommen, welche auf Ketonkörper, Leberenzyme (Hinweis auf eventuelle Leberschäden) und Antikörper gegen Leberegel (Fasciola hepatica, Hinweis auf Befall) untersucht werden.

Publikationen

Im Rahmen dieses Projektes werden in zwei eigenständigen Dissertationen jeweils die Zusammenhänge zwischen Gliedmaßen- und Eutererkrankungen einerseits und Ketosen andererseits näher beleuchtet. Die Projektlaufzeit beträgt drei Jahre.

Finanzierung

Das Projekt wird gefördert durch das Bayrische Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten.

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