milchQplus und ZellDiX

Hintergrund

Der Gehalt an somatischen Zellen in der Milch wird schon lange als indirekter Parameter für die Eutergesundheit eingesetzt und ist für Milchviehherdenmanager einer der wichtigsten – wenn nicht DER wichtigste – Parameter in der MLP. Im Rahmen der Milchkontrolle wird auf Einzeltierebene der Gesamtgehalt der somatischen Zellen (somatic cell count, SCC/ml) bestimmt. Während einer Entzündungsreaktion der Milchdrüse steigt aber nicht nur der Zellgehalt in der Milch stark an, sondern es verändern sich auch die relativen Anteile der verschiedenen Zelltypen - polymorphkernige neutrophile Granulozyten (PMNs), Makrophagen, Lymphozyten - an der Gesamtzellzahl. 

Ergebnisse aus der Wissenschaft deuten darauf hin, dass sich die Zelldifferentialbilder, d. h. die relativen Anteile der drei Zelltypen, bei chronischen und akuten Krankheitsverläufen voneinander unterscheiden, bzw. mit Hilfe von Zelldifferentialbildern das Alter einer Infektion abgeschätzt werden kann. Außerdem kann eine beginnende entzündliche Veränderung der Milchdrüse bereits bei einer Zellzahl von unter 100.000 Zellen/ml nachgewiesen werden. Indikatoren hierfür sind ein sinkender Anteil von Lymphozyten und ein steigender Anteil von PMNs an der Gesamtzellzahl.

Da das derzeit überwiegend verwendete Analyseverfahren zur Bestimmung der Gesamtzellzahl (Fossomatic) im Hochdurchsatz keine Aussagen über die Anteile der einzelnen Zelltypen am SCC erlaubt, können potentielle Informationen bisher nicht genutzt werden.

Das Projekt

Das  milchQplus-Projekt (Laufzeit: 1. Mai 2012 – 31. März 2016) zielte darauf ab, durch die Entwicklung einer Routinemethode zur Zelldifferenzierung in Milch zusätzliche Informationen über den Eutergesundheitsstatus zu gewinnen, die über die Bestimmung des Zellgehalts hinausgehen. Um die grundsätzliche Tauglichkeit des neuen Verfahrens unter den in Deutschland vorherrschenden Praxisbedingungen zu überprüfen, wurde vom Milchprüfring Bayern e.V. ein Accuri C5 Durchflusszytometer angeschafft. Im Rahmen von Feldstudien wurde damit die Milch von insgesamt 540 Tieren von 12 Betrieben monatlich hinsichtlich des „Differential-Zellgehalts“ bzw. „Zelldifferenzierungsindex“ (ZDI) beim mpr untersucht.

Im Rahmen von milchQplus konnten wichtige Hinweise über mögliche Einsatzgebiete der Zelldifferenzierung in der Milchkontrolle gewonnen werden. Allerdings bedarf die Etablierung von konkreten Kennzahlen eines ausreichend großen Satzes von Routinedaten, der die Praxisbedingungen möglichst gut abdeckt und auch seltene Eutergesundheitsstörungen in einem hinreichend großen Umfang erfasst. Aus diesem Grund sollen nun in einem Folgeprojekt (ZellDiX), aufbauend auf den bisher gewonnenen Kenntnissen, Kennzahlen für die Diagnose und Prognose von Euterentzündungen entwickelt werden und die Markteinführung der Zelldifferenzierung im Hochdurchsatzverfahren umgesetzt werden.

Weitere Informationen finden Sie auf der Homepage www.milchqplus.de

ZellDiX- ein neuer Zelldifferenzierungsindex zur Beurteilung der Eutergesundheit im Rahmen der Milchleistungsprüfung

Hintergrund

Die im Rahmen von milchQplus begonnenen Arbeiten zur Zelldifferenzierung werden im Folgeprojekt ZellDiX (Laufzeit: 3 Jahre) fortgeführt. Als Projektpartner des Deutschen Verband für Leistungs-und Qualitätsprüfungen e.V. (DLQ) konnte das Institut für Veterinär-Epidemiologie und Biometrie (EPI) der Freien Universität Berlin unter der Leitung von Prof. Doherr gewonnen werden.

Das Projekt

Im Rahmen von ZellDiX sollen die bisher gewonnenen Erkenntnisse zur Zelldifferenzierung aus dem milchQplus-Projekt überprüft und in neue Diagnose- und Prognosetools für die Beurteilung der Eutergesundheit umgesetzt werden. Dafür wird beim mpr in Kürze ein Prototyp zur Zelldifferenzierung im Hochdurchsatzverfahren (mehrere Hundert Proben pro Stunde) der Firma FOSS zur Verfügung stehen. Bis dahin sollen das  Labor-Informations- und Management-System des mpr für den Prototyp sowie qualitätssichernde Maßnahmen für die neue Gerätegeneration vorbereitet werden. Auch muss in dieser Projektphase evaluiert werden, welche zusätzlichen Eutergesundheitsdaten aus internen und externen Quellen erfasst werden können, um den ZDI (= „Zelldifferenzierungsindex“) mit Referenzdaten zur Eutergesundheit zu verknüpfen, damit eine möglichst verlässliche Aussage zur Eutergesundheit getroffen werden  kann.

Ziel ist es, eine innovative Untersuchungsmethode zur Zellbeurteilung in die bestehende Routineanalytik der Milchkontrolle zu integrieren und dadurch dem Herdenmanager zusätzliche Entscheidungshilfen, wie beispielsweise wertvolle Informationen über Therapiemöglichkeiten und Heilungschancen seiner Herde bereitzustellen. Diese Informationen sollen dem Milchproduzenten automatisch mit den monatlichen Ergebnissen übermittelt werden. Diese praktische Umsetzung und die Weiterentwicklung der Milchkontrolle mit der Zielsetzung, den Nutzen für den Milcherzeuger zu steigern, ist unser Anspruch

Weitere Informationen zum Projekt finden Sie ebenfalls auf der Homepage www.milchqplus.de unter dem Reiter „Zelldifferenzierung“. Bei Fragen können Sie Frau Dr. Eva Scharinger (08442 9599 -257; escharinger@mpr-bayern.de) kontaktieren.

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