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May you be well

May you be well

Es sei dir wohl

Het ga je goed

Que sejas bem

 

Uffing 20. Januar 2020

 

‘… den Kreis schließen…’

Das Projekt ‘May you be well’ zeigt, dass es Kühen in menschlicher Obhut sehr gut gehen kann. Auf sechs bemalten Holzplatten werden Bayerische Braunvieh und Fleckvieh Rinder gezeigt wie sie in ihrer Umgebung zur Beobachtung einladen. Die Holzplatten wurden vom Schreinergesellen, Matthias Gretschmann aus Uffing a. Staffelsee, in Handarbeit hergestellt und mit Acryl-, wassermischbaren Öl- und Aquarellfarben von Dörte Döpfer in Zusammenarbeit mit Ineke Eyck bemalt. Wir danken dem Milchprüfring Bayern e.V. in Wolnzach für die Bereitstellung der Mittel und Räume für dieses Projekt.

‘Es sei Dir wohl!’

 

Hintergrund I Motivation für dieses Projekt I Vorwort der Künstlerinnen

Tierskandale haben Landwirte und Kuhliebhaber sehr betroffen gemacht. Kontroverse Diskussionen folgten zu Recht. Und dennoch gibt es viele Milchkühe, denen es in menschlicher Obhut sehr gut geht. Dies zu zeigen ist uns ein wichtiges Bedürfnis, denn die Mehrzahl der Landwirte kümmert sich ein Leben lang mit Herz und Seele um ihre Tiere. Die Liebe zu Rindern wird von Generation auf Generation übertragen und stellt ein wichtiges emotionales und kulturelles Gut dar. In diesem Sinne, nicht nur im wirtschaftlichen, sind Rinder und Milchkühe einzigartig und ihr Wohlaufsein unersetzbar. Diese Bilder schließen den Kreis der besonderen Bindung des Menschen an Milchvieh.

Die ersten 6 Bilder sind nach 6 Monaten Vorbereitung von Januar bis Ende September 2020 auf dem Biohof Rechenmacher in Uffing a. Staffelsee entstanden. Wir danken der Familie, Helga und Michael Gretschmann, Matthias, Andreas, Leonhard und Anni Gretschmann, für ihre liebevolle Unterstützung zu jeder Zeit.

Drei Bilder sind dem Bayerischen Braunvieh und zwei dem Fleckvieh gewidmet. Ein sechstes Bild zeigt beide unter Einfluss der modernen Milchviehwirtschaft und Künstlicher Intelligenz (KI). Bilder #7 und #8 sind hinzugefügt, um das ‘may you be well’ Projekt auszuweiten.

 

Die Bildergruppen stellen ein freundliches Angebot zum Anschauen und bildlichen Erleben dieser besonderen Tiere in ihrer eigenen Umgebung dar. Wir wollten zeigen, wie friedlich diese Kühe mit Menschen zusammen leben und arbeiten. Rinder und Milchkühe strahlen eine gelassene Ruhe aus, während jedes Tier seine eigene Persönlichkeit in jeder Lebensphase zum Ausdruck bringt. Wer dies lebt und erfährt, erkennt sofort, wenn eine Kuh nicht wohlauf ist. Sorgen für Rinder schließt einen unersetzlichen Kreis des Lebens in der Landwirtschaft.

 

Dörte Döpfer

Kurzportraits

 

Dörte Döpfer (rechts), Tierärztin, Epidemiologin und Mikrobiologin, arbeitet als Professorin für Produktionsmedizin landwirtschaftlicher Nutztiere an der University of Wisconsin in Madison, der School of Veterinary Medicine in den USA. Dörte Döpfer zeichnet und malt ihr Leben lang. Es ist für sie eine Entdeckung, dass diese Bilder mit Zeit und den richtigen Mitteln möglich sind.

Ineke Eyck (links), Tierärztin und ausgebildete Künstlerin aus Lelystad in den Niederlanden, arbeitet als Tierärztin in der Gesundheitskontrolle von Schlachtrindern. Ineke malt, entwirft und verwirklicht Projekte mit bunten Glasfenstern und stellt Schmuck her.

 

 

 

Im Jahr 2019 kam Ineke Eyck zum Projekt zum helfen, beraten und diskutieren. Sie bringt viel Erfahrung im Malen von großen Bildern mit und hat keine Vorbehalte großflächig und mit leuchtenden Farben zu malen. Der Vordergrund der Bilder 1 (Ronja 1/6) und 2 (BV1 2/6) beweisen dies! Auf diesen Bilder zeigt sich eine wahre Explosion von Formen und atemberaubenden Farben. Zusammen mit der stillen Ruhe und Kraft der Kuhformen verkörpern die Bilder wunderbar die Geschichte von ‘may you be well’.

Nur Leonhard und Dörte Döpfer kennen übrigens den technischen Fehler, der sich im Bild "Ronja" versteckt - sagen werden wir es keinem.

Nach einer ungewissen und sorgenvollen Zeit, weiß Ineke Eyck welch eine Freude es ist am Leben und gesund zu sein. Dörte Döpfer ist dankbar, dass das Projekt im September 2020 zu Ende gebracht wurde - trotz Zeitproblemen, gesundheitlichen Problemen, COVID-19, Distanz, Arbeit und einem immer währenden Lernprozess.

Bilder

#1


‘Portrait of Ronja’
‘Portrait der Ronja’


Döpfer und Eyck, 2020

Ronja ist eine Braunvieh Kuh in der 6. Laktation (2020) auf dem Biohof Rechenmacher in Uffing/Schöffau am Staffelsee, einem besonders schönen Ferienbauernhof am Alpenrand. Sie ist die letzte Braunviehkuh im Stall mit einem Melkroboter, denn vor 5 Jahren (2015) war die Entscheidung getroffen worden, von Braunvieh auf Fleckvieh, einer Zweinutzungrasse, umzustellen. Das ruhige und wunderschöne Gesicht dieser erwachsenen Kuh lädt zum Kennenlernen ein, egal ob sie frisst, im Stall döst, auf der Weide steht oder sich melken lässt.

Die Augen und Ohren der Braunviehkühe sind besonders hübsch geformt. Ihre Fellfarbe ist graubraun mit hellen Stellen, die durch die Sonne auf der Weide besonders aufleuchten. Auf diesem Bild steht Ronja am offenen Fressgitter und wird im Stall mit geschnittenem Gras gefüttert. Wenn das Wetter es erlaubt, geht sie zusammen mit den ca. 32 anderen Kühen auf die Weide. Dörte Döpfer dankt Leonhard Gretschmann für die vielen Details zu diesem Bild und die Erinnerung an die Ohrmarken. Leonhard sagt, dass eine Kuh ohne Ohrmarken nicht geht, Dörte Döpfer wollte bloß so gern nur die schönen Ohren malen. Deshalb haben sie zusammen in Bild 6 auf die Ohrmarken geachtet. Nur die zwei wissen von dem anderen, kleinen technischen Fehler im Bild 1, der sich eingeschlichen hat, aber sie verraten ihr Geheimnis nicht.

Technische Daten: 1,20 m x 1,20 m Birkenholzplatte mit Akryl- und Aquarellfarben bemalt und mit UV-beständigem Feinlack abgeschlossen.

 

 

BV #1

‘…among friends…’
‘…unter Freunden…’

Döpfer und Eyck, 2020

Im Oktober 2019 fanden wir eine Gruppe Jungrinder am Fuße der Berge im Schongau. Die Tiere waren freundlich, ruhig und verspielt. Nachdem sie uns kennengelernt hatten, zogen sie weiter und grasten während ihre Glocken läuteten. Dieses Braunvieh Jungtier fällt wegen seiner tiefbraunen Fellfarbe und den wuschelig behaarten Ohren auf. Neugierig und doch zurückhaltend schaute es uns nach. Die Augen der Tiere sind besonders schön. Es macht Freude sie wohlauf zu sehen.

Technische Daten: 1,20 m x 1,60 m Birkenholzplatte mit Akryl- und Aquarellfarben bemalt und mit UV-beständigem Feinlack abgeschlossen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

BV #2

‘…moving forward…’
‘…weitergehen…’

Döpfer, 2020

Diese Gruppe Jungrinder fanden wir während eines ‘goldenen’ Oktobernachtmittages am Fuß der Berge im Schongau. Oder fanden die Jungrinder uns? Hunderte Fotos entstanden zusammen mit der Idee zu diesem Bild. Die Gruppe graste friedlich vor sich hin und lud uns zum Beobachten ein. Rinder verbreiten eine sehr friedliche Stimmung, die jeder, der mit diesen Tieren lebt und sie kennt, erfahren hat.

Technische Daten: 2,00 m x 1,00 m Birkenholzplatte mit Akryl- und Aquarellfarben bemalt und mit UV-beständigem Feinlack abgeschlossen.

 

 

FV #1 pink

‘…marching at dawn…’
‘…wandern am Morgen…’

Döpfer, 2020

Im Morgengrauen kann man Kühe nach dem Melken über die Hügel des Voralpenlandes auf die Weide marschieren sehen. Jede auf ihre Weise, ruhig laufend, tobend  oder kurz grasend während die rotbraunen Kuhflecken im ersten Sonnenlicht aufleuchten. Die Tiere erscheinen klein in der weiten Landschaft, haben jedoch ihren Platz und tragen durch das Weiden zur Landschaftpflege bei.

Technische Daten: 2,00 m x 1,00 m Birkenholzplatte mit Akryl-, wassermischbaren Öl- und Aquarellfarben bemalt und mit UV-beständigem Feinlack abgeschlossen.

 

 

FV #2

‘…settling in…’
‘…sich niederlassen für den Tag…’

Döpfer, 2020

Die erste Arbeit des Melkens und der Weidegang sind geschafft, die Tiere grasen, legen sich zum Wiederkauen hin oder schauen in die Runde. Sie kennen ihren Tagesablauf und leben ihn mit einer ‘Uhr im Bauch’. Mensch und Tier kennen einander genau und leben diesen Weg, abhängig von der Jahreszeit, jeden Tag aufs Neue. Der Anblick friedlich grasender, laufender oder liegender Kühe ist eine Freude für jeden Beobachter.

Die kleinen Farbrauten in der rechten unteren Ecke der Platte kommunizieren mit den gleichen Strukturen auf dem KI Bild #6 und sagen: die Lebensweise dieser Kühe ist bereits von KI und Datenströmen beeinflusst, auch, wenn das noch weit weg erscheint. Dies braucht keine schlechte Entwicklung zu sein, denn es geht den Tieren sehr gut dabei, besonders solange erfahrene Menschen die Tiere kennen und sich um sie kümmern.

Technische Daten: 1,60 m x 1,20 m Birkenholzplatte mit Akryl- und wassermischbaren Ölfarben bemalt und mit UV-beständigem Feinlack abgeschlossen.

 

 

 

KI #6

’…Ronja’s future…’
‘…Ronja’s Zukunft…’

Döpfer, 2020

Das Portrait der Ronja aus Bild 1 wurde als ‘Form’ mit dem Farbstil eines 2. Kuhbildes mittels Künstlicher Intelligenz zu einem neuen Bild verarbeitet. Auf diese Weise generieren Computer neue ‘Kunst’. Das Verfahren heisst ‘Style Transfer Learning’. Dieses Bild soll darstellen, dass die herkömmliche Form und Lebensart der Kuh und ihrer Menschen sich wandeln, wenn Künstliche Intelligenz vermehrt Einzug in die Landwirtschaft bekommt. Dies könnte auch schon Ronja betreffen, obwohl sie im Augenblick nichtsahnend im Stall döst.

Technische Daten: 1,20 m x 0,60 m Birkenholzplatte mit Akryl- und wassermischbaren Ölfarben bemalt und mit UV-beständigem Feinlack abgeschlossen.

 

#7

‘…looking back…’
‘…zurückschauen…’

Döpfer, 2020

Dies ist ein Abbild der jungen Kuh aus Bild BV #1, die sich nach ihrer Herde umschaut. Während wir die Gruppe Jungküge beobachteten, zogen diese gemächlich an uns vorbei, was wiederrum in Bild BV #2 abgebildet wurde. Ich kann immer noch ihre Glocken hören, während die Sonne langsam hinter den Hügeln verschwand. Wir nannten die Landschaft passenderweise "Märchenlandschaft".

Technische Daten: 1,20 m x 1,52 m Leinen mit Akryl- und wassermischbaren Ölfarben bemalt und mit UV-beständigem Feinlack abgeschlossen.

 

 

 

 

 

 

 

#8

‘…a farming life…’
‘…ein Leben auf der Farm…’

Döpfer, 2020

Der linke Teil des Bildes zeigt eine sogenannte "Linienkonstruktion" einer menschlichen Gestalt, die versucht auf eine Kugel zu steigen. Wie schwierig dieser Spagat ist, wird deutlich, denn der Ball kann jederzeit die Balance verlieren und den Menschen treffen. Dies symbolisiert, wie viel Geschick es braucht, um ein rentables Leben aus der Landwirtschaft zu führen, aufgrund von Einschränkungen durch Land, Vieh, Gesundheit und Betriebswirtschaft.

Technische Daten: 1,20 m x 1,52 m Leinen mit Akryl- und wassermischbaren Ölfarben bemalt und mit UV-beständigem Feinlack abgeschlossen.

Zum Ausklang:

Viele Menschen kennen die Verhaltensweisen von Kühen nicht. Wussten Sie in welcher Haltung eine Kuh schläft? Wie die Halsglocken bei unterschiedlichen Wetterlagen klingen? Fragen wir uns, welche Gestalt die Kuh haben wird, wenn Kuenstliche Intelligenz zum Einsatz bei der Züchtung dieser Tiere kommt? Vielleicht könnte der Rechenmacherhof in Zukunft wieder auf Braunvieh umstellen, weil es wirtschaftlich keinen Unterschied zum Fleckvieh mehr macht. Wer weiss…