Grüne Berufe bieten gute Perspektiven

Während viele andere Branchen sinkende Zahlen melden, sind die Ausbildungszahlen im landwirtschaftlichen Bereich in den letzten Jahren konstant geblieben. So wurden im vergangenen Ausbildungsjahr 2019 / 2020 in Deutschland 13.368 Neuverträge in allen Grünen Berufen registriert.

In Bayern absolvierten 2018 fast 6.300 junge Menschen eine Ausbildung in der bayerischen Agrar- und Ernährungswirtschaft, allein 1.350 lernten den Beruf Landwirtschaft. Das ist über ein Viertel aller Ausbildungsverhältnisse der bayerischen Agrarberufe. In der Hauswirtschaft waren es 1.240 Auszubildende und damit fast so viel wie in der Landwirtschaft.

Vor allem die Land- und Hauswirtschaft ist eine interessante und vielseitige Branche, auch für junge Menschen ohne agrarischen Hintergrund. Denn das Beschäftigungsfeld eines Landwirts, einer Landwirtin oder einer Hauswirtschafterin, eines Hauswirtschafter ist bei weitem nicht mehr nur auf das klassische Aufgabenspektrum auf einem landwirtschaftlichen Betrieb oder einer Küche begrenzt. So arbeiten ausgebildete Hauswirtschafterinnen und Hauswirtschafter unter anderem auch im Hotel- und Gastronomiebereich, in Betreuungseinrichtungen für Menschen oder führen ihr eigenes Unternehmen. Nach ihrer Ausbildung sind Landwirtinnen und Landwirte heute in vielen Bereichen der bayerischen Agrarwirtschaft sowie im vor- oder nachgelagerten Bereich zu finden, in Bildung und Beratung, Vertrieb und Verkauf oder technischen Berufen.

Gerade in Zeiten von Corona und den Folgen dieser Pandemie für unser alltägliches Leben ist die Bedeutung für regionale und gesunde Lebensmittel wieder enorm gestiegen. Daher ist eine Ausbildung in einem Grünen Beruf und die Arbeit in der bayerischen Agrar- und Ernährungswirtschaft eine spannende und abwechslungsreiche Tätigkeit mit einer sicheren Zukunftsperspektive.

Informationen zu den Grünen Berufen

Eine Übersicht über die Grünen Berufe gibt es auf dieser Seite des Bayerischen Bauernverbandes und beim Bayerischen Landwirtschaftsministerium.

Auch www.krassgruen.de bietet für Jugendliche umfangreiche Informationen und Videoclips zu den unterschiedlichen Grünen Berufen. Offene Lehrstellen sind hier über die Ausbildungsdatenbanken der zuständigen Stellen in den Ländern zu finden.

Kuhmilch-Protein Beta-Laktoglobulin verhindert Allergien

In einer aktuellen Studie unter der Leitung von Franziska Roth-Walter und Erika Jensen-Jarolim vom Institut für Pathophysiologie und Allergieforschung der MedUni Wien und vom interuniversitären Messerli Forschungsinstitut – einer gemeinsamen Einrichtung der Vetmeduni Vienna, der Medizinischen Universität Wien und der Universität Wien – konnte nun gezeigt werden, dass ein von Kühen abgesondertes Protein, Beta-Laktoglobulin, welches auch in der Milch vorkommt, ein Schlüsselmolekül für den sogenannten Bauernhofschutz gegen Allergien darstellt.

Das bäuerliche Umfeld trainiert das Immunsystem. Kinder, die im Kuhstall spielen und unverarbeitete Milch trinken, leiden seltener unter Allergien und Asthma. Diesen Effekt nennt man Bauernhofschutz. Die Studie wurde vor kurzem im Top-Journal „Journal of Allergy and Clinical Immunology (JACI)“ veröffentlicht. In Labor- und Tiermodellstudien zeigte das Forscherteam, dass Beta-Laktoglobulin, wenn es seine natürlichen Liganden, wie Pflanzenpigmente aus grünem Gras, mit sich trägt, Allergien verhindert. Im Gegensatz verhielt sich das Protein ohne seine natürlichen Liganden wie ein Allergen.

Roth-Walter: „Die antiallergischen Eigenschaften von natürlichem Beta-Laktoglobulin lassen sich damit erklären, dass dieses Protein seine Liganden gezielt zu den Immunabwehrzellen bringt und dadurch eine Entzündung verhindert wird. Die natürlichen Liganden verhindern außerdem, dass IgE-Antikörper an Beta-Laktoglobulin-Protein andocken können, wodurch diese von Milch-allergischen Kindern besser vertragen werden sollte.“

 

Neues Schlüsselmolekül

Die Studie präsentiert daher mit dem Kuh-Protein Beta-Laktoglobulin ein neues Molekül, das zusammen mit seinen natürlichen Liganden für die Bauernhof-Schutzwirkung gegen Allergien von Interesse ist. Umstände, die zu einem Verlust oder einen Mangel dieser Liganden führen können, z.B. durch die industrielle Milchverarbeitung oder mangelhafter Tierfutterqualität, können das gut verträgliche Milchprotein Beta-Laktoglobulin allerdings in ein Allergen verwandeln. „Unsere Studie lässt hoffen, dass der Bauernhof-Allergieschutz-Effekt praktikabler gemacht und genutzt werden kann, um die Allergieepidemie zu verhindern”, betont Erika Jensen-Jarolim.

Die Arbeit wurde durch den Österreichischen Wissenschaftsfonds FWF unterstützt.

Wie Kühe einen kühlen Kopf bewahren

Es  ist wichtig zu wissen, dass Kühe deutlich früher unter hohen Temperaturen leiden als wir Menschen. Bei einer in Ställen üblichen Luftfeuchtigkeit von 70 % beginnt der Hitzestress für unsere Kühe bereits bei 22°C. Was kann getan werden damit unsere Kühe einen kühlen Kopf bewahren?

Das Problem Hitzestress erkennen

Nicht umsonst heißt es „Problem erkannt, Gefahr gebannt“. Noch immer glauben viele Milchviehbetriebe, dass Hitzestress in ihrem Stall keine Rolle spielt. Die Erfahrungen aus der Beratungspraxis zeichnen hier aber ein anderes Bild. Achten Sie gezielt auf Verhaltensänderungen ihrer Herde wie: weniger Liegen, vermehrtes Stehen, Gruppenbildung im Stall und steigende Atemfrequenz. Sie können Hitzestress übrigens auch messen. Die Körpertemperatur von Kühen steigt, als ob sie Fieber hätten. Wussten Sie, dass nicht nur steigende Lufttemperatur, sondern auch steigende Luftfeuchtigkeit das Auftreten von Hitzestress begünstigt? Hitzestress und seine Auswirkungen kann auch über eine Stallkarte (siehe auch Abbildung) abgelesen werden.

Durchlüftung verbessern, aber für Beschattung sorgen

Der Stall sollte Tag und Nacht maximal geöffnet werden: Fenster aushängen, Tore öffnen, Curtains öffnen etc. Wichtig dabei ist aber stets direkte Sonneneinstrahlung in den Stall zu vermeiden, heißt zur Beschattung sollte z.B. ein Curtain an der Westseite am späten Nachmittag für wenige Stunden geschlossen werden. Lichtfirste können hier zum Problem werden, denn durch sie gelangt bei Sonnenhöchststand viel Hitze direkt in den Tierbereich.

Luftbremsen entfernen

Entscheidend ist auch, dass die Luft im Stall möglichst frei zirkulieren kann. Deshalb sollten Trennwände an Übergängen zwischen Fress- und Laufgang oder zwischen Fressgang und Liegeboxenreihen möglichst geöffnet werden. Das sorgt nicht nur für deutlich bessere Luftverhältnisse für die liegenden Kühe, sondern auch für mehr Übersicht im Stall. Oft kann es auch sinnvoll sein, Außenwände zu entfernen und somit den Luftaustausch zu erhöhen.

Ventilatoren richtig einsetzen

Durch Ventilatoren kann die Durchlüftung im Stall deutlich verbessert werden, sie sollten daher die erste technische Maßnahme sein um das Stallklima zu verbessern und Hitzestress zu lindern. Gerade im Sommer wollen wir die Ventilatoren aber zum Kühlen der Herde einsetzen, also den sogenannten Wind-Chill-Effekt nutzen. Ab 2 m/s empfinden Kühe Luftbewegung als angenehm kühlend. Dabei ist wichtig, dass die Luft auch bei den Kühen ankommt. Deshalb sollten Ventilatoren immer schräg nach unten, auf die Kühe ausgerichtet sein. Die Ventilatoren sollten vor allem den Liegebereich der Kühe und den Melkstand kühlen. Die Ausrichtung kann einfach durch z.B. Probeliegen in den Liegeboxen kontrolliert werden. Welche Ventilatoren sich am besten für einen Stall eignen, hängt unter anderem von Raumhöhe und Grundriss ab. Leistungsfähigkeit, Lärmentwicklung und Stromverbrauch verschiedener Ventilatoren wurden in zwei unabhängigen Tests an der LFL Grub und an der HBLFA Raumberg-Gumpenstein getestet.

Kuhdusche nicht immer ideal

Wie bereits beschrieben steigt das Risiko für Hitzestress nicht nur mit steigender Lufttemperatur, sondern auch mit steigender Luftfeuchtigkeit. Von daher sind Kuhduschen nicht immer eine geeignete Maßnahme zur Linderung von Hitzestress, weil sie die Luftfeuchtigkeit im Stall erhöhen und damit das Problem sogar noch verschärfen können, Stichwort: Saunaeffekt. Kuhduschen, egal ob Niederdruckdusche, oder Hochdruckvernebelung sollten also nur in sehr gut durchlüfteten, offenen Ställen eingesetzt werden, damit gewährleistet ist, dass die zusätzliche Feuchtigkeit auch abtransportiert werden kann. Kuhduschen können auch in Kombination mit Ventilatoren, idealerweise in Intervallschaltung eingesetzt werden.
 
Eine Bildergalerie über verschiedene Möglichkeiten zur Optimierung des Stallklimas finden Sie auf der Seite von www.milchpur.de.

Wasserversorgung optimieren

Der Wasserbedarf einer hochleistenden Kuh steigt bei Hitze auf deutlich über 150 l pro Tag an, der einer trockenstehenden Kuh auf über 60 l pro Tag. Die Wasserversorgung zu optimieren ist eine sehr einfache, aber hochwirksame Maßnahme gegen Hitzestress. Dabei sind zwei Faktoren ausschlaggebend. Erstens müssen genug Tränken vorhanden sein damit alle Kühe jederzeit ihren Durst stillen können. Grundsätzlich sollten pro Tiergruppe mindestens zwei Tränken vorhanden sein, ansonsten gilt die Faustformel pro 20 Kühe eine Tränke plus eins, also 2 Tränken für 20 Kühe, 4 Tränken für 60 Kühe etc. Zweitens ist auch die Qualität der Tränken entscheidend. Kühe trinken am liebsten aus großen Wasseroberflächen und brauchen Nachflussraten von >20 l/Minute. Diese Anforderungen können eigentlich nur von Trogtränken erfüllt werden, während Selbsttränker kein artgerechtes Trinkverhalten zulassen. Dies gilt insbesondere auch für trockenstehende Kühe und die Abkalbebox.

Fütterung

Mehrere einfache Maßnahmen helfen die Fütterung hitzefest zu machen. Futtervorlage am Abend führt zu mehr Futteraufnahme während der kühleren Nachtstunden. Wasserzugabe verhindert das Entmischen von Mischrationen und mindert somit die Gefahr der Futterselektion. Der Einsatz von Futtersäuren reduziert das Risiko von Nacherwärmung am Futtertisch. Schwitzende Kühe verlieren über den Schweiß mehr Mineralstoffe, was durch eine 10 %ige Zulage der Mineralstoffergänzung ausgeglichen werden kann. Sinkt die Grundfutteraufnahme, muss auch die Kraftfutterergänzung angepasst werden um Acidosen vorzubeugen.
 
© Mit Material von LK NÖ/Marco Horn

Aktuelle Zahlen zur Milchviehhaltung

Seit 2008 wird zum jeweiligen Stichtag ein Auszug aus dem Herkunftssicherungs- und Informationssystem für Tiere HIT-Datenbank erstellt und für statistische Zwecke ausgewertet. Zum Stichtag 3. Mai 2020 wurden nun die Zahlen veröffentlicht.

Festzustellen ist, dass die Anzahl der Milchviehhalter im gesamten Bundesgebiet innerhalb eines Jahres (zum Stichtag 3. Mai 2019) um weitere 4,48 % und somit 2.736 Betriebe zurückgegangen ist. Mit 26.899 Milchkuhhaltern ist Bayern weiterhin Spitzenreiter im gesamten Bundesgebiet, jedoch hat sich die Anzahl der Halter im Vergleich zum Vorjahr um weitere 1.306 Betriebe reduziert. Bei der Anzahl der Milchkühe ist innerhalb des letzten Jahres der Bestand in Deutschland um 2,4 Prozent zurückgegangen, das bedeutet eine Reduktion um 97.746 Tiere, in Bayern um 26.970 Tiere (-2,35 %).

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Betrachtet man die durchschnittliche Herdengröße der Milchkuhhalter, ist Bayern weiterhin eines der Bundesländer mit kleinstrukturierter Milchviehhaltung. Je Halter werden im Durchschnitt 41,6 Milchkühe gehalten (siehe Abbildung 3), ein leichter Anstieg im Vergleich zum Stichtag 3. Mai 2019 mit durchschnittlich 40,6 Milchkühen je Halter. Im bundesdeutschen Durchschnitt werden 68,0 Milchkühe je Halter gehalten. Insgesamt steigen die durchschnittlichen Herdengrößen im gesamten Bundesgebiet leicht an.

Der Bestand der Kälber und Jungrinder (bis einschließlich 1 Jahr) in Deutschland umfasste zum 3. Mai 2020 insgesamt 3.410.323 Tiere (siehe Abbildung 4). Die Anzahl nahm gegenüber dem Vergleichsmonat des Vorjahres um 91.877 Tiere (= 2,62 Prozent) ab. Für Bayern wurde im gleichen Vergleichszeitraum ein Rückgang um 3,05 Prozent ausgewertet.

Statistiken vom mpr mit den entsprechenden Daten aus dem Labor finden Sie unter Monatsstatistik sowie in unserer Infothek unter Jahresauswertungen.

 

Textquelle: VMB

Milchpur 1/2020 erschienen

Wir freuen uns, Ihnen wieder eine interessante Zusammenstellung von Themen rund um die Milcherzeugung in unserem Magazin bieten zu können. Die Verteilung über unsere mpr-Logistik hat bereits begonnen, so dass Sie in Kürze auch Ihr persönliches Exemplar in den Händen halten können.

Wir bedanken uns bei den Milchsammelwagenfahrern, die für uns immer zuverlässig die Verteilung an alle Milchbauern in Bayern übernehmen.

Vorab können Sie die neue Ausgabe bereits online lesen.

Aus dem Inhalt:

  • LKV unterstützt bei der betrieblichen Eigenkontrolle
  • milchZert - Stark durch die Krise
  • Bayerischer Milchförderungsfonds
  • Melkmaschinen brauchen Wartung
  • Neuer Hemmstofftest hi-sense
  • Die Parasiten im Blick
  • Wie giftig sind Gummimatten?
  • Automatisierung und Digitalisierung im Milchviehstall
  • Kostengünstiger Umbau bei kleinen Milchviehbetrieben
  • Einsatz von Entmistungsrobotern
  • Topqualität bei Ballensilage
  • Hält Weidehaltung was sie verspricht?
  • Online-Klickhits auf www.milchpur.de

Ein kleiner Hinweis in eigener Sache: Das neue Heft ist aufgrund von mehreren Beilagen in Folie eingeschweißt. Die Verteilung erfolgt über unsere mpr-Logistik zu den Molkereien und von hier über die Milchsammelwagenfahrer zu den einzelnen Landwirten. Da die Gefahr besteht, dass die Beilagen über die gesamte Lieferkette verloren gehen würden, haben wir uns zu diesem Schritt entschlossen.

Wie entwurmen Sie Ihre Rinder?