Kreuzkräuter - ein Problem auch für Milchviehbetriebe

Das Wasserkreuzkraut ist in Bayern weit verbreitet und auf Grund seiner biologischen Eigenschaften insbesondere auf ökologisch bewirtschafteten Flächen nur schwer zu bekämpfen. Während Rinder die Aufnahme der Pflanzen auf der Weide meiden, können die Tiere die Pflanzenbestandteile in Heu oder Silage nicht aussortieren. Problematische Inhaltsstoffe sind sogenannten Pyrrolizidinalkaloide, die vorrangig die Leber schädigen, aber auch als möglicherweise erbgutverändernd und krebserzeugend eingestuft werden.

Obwohl man davon ausgeht, dass bei gutem Management keine Kreuzkräuter ins Milchviehfutter gelangen, wurden bei zwei europäischen Untersuchungen von Konsummilch aus dem Handel in 6 % der Proben Pyrrolizidinalkaloide in sehr geringen Konzentrationen nachgewiesen. Unbekannt ist dabei, ob diese Befunde auf einzelne Betriebe zurückzuführen sind oder viele Betriebe eine unterschwellige Belastung aufweisen, die möglicherweise auch auf andere Pflanzen als Kreuzkräuter zurückzuführen sein könnte.

Dieser Frage soll im Rahmen des groß angelegten Projektes „PA-SAFE-FEED“ nachgegangen werden, das aus Mitteln des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestages gefördert wird. Projektträger ist die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) im Rahmen des Bundesprogramms Ökologischer Landbau und anderer Formen nachhaltiger Landwirtschaft.

Hierzu werden in Bayern und Schleswig-Holstein Milchviehbetriebe mit Dauergrünland gesucht, die bereit sind ihre Milch und ggf. Futterproben auf PA-Rückstände untersuchen zu lassen. Ziel ist, konventionell und ökologisch wirtschaftende Betriebe einzubeziehen und sowohl bei Weidehaltung als auch während der Winterfütterung zu beproben.

In weiteren Projektteilen werden unter kontrollierten Bedingungen die Auswirkungen auf die Tiergesundheit geprüft, da es keine zuverlässigen Daten zu unkritischen Dosierungen gibt. Dabei sind am Max Rubner-Institut auf der Versuchsstation Schädtbek (Schleswig-Holstein) auch Versuche an kleinen Wiederkäuern geplant, da diese im Vergleich zu Rindern weniger empfindlich sind und z.B. Schafe die Pflanzen weniger stark meiden. Entsprechende Studien an Rindern finden in Braunschweig auf der Versuchsstation des Friedrich Löffler-Instituts statt. Ein möglicher Transfer von Pyrrolizidinalkaloiden aus dem Futtermittel in die Milch bzw. ins Fleisch soll vom Lehrstuhl für Lebensmittelsicherheit der Ludwig-Maximilians-Universität München untersucht werden.

An dem Projekt sind als Forschungseinrichtungen neben der Ludwig-Maximilian-Universität München das Max-Rubner-Institut in Kiel und Kulmbach, das Friedrich-Löffler-Institut in Braunschweig sowie das Bundesinstitut für Risikobewertung in Berlin beteiligt. Unterstützt wird das Projekt aus der Praxis vom Milchprüfring Bayern e.V. sowie der Milcherzeugervereinigung Schleswig-Holstein e.V., dem Bioland-Verband in Schleswig-Holstein und der Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein.

Eine Bildergalerie zur Bekämpfung von Kreuzkraut ist auf der Seite von agrarheute zu finden.

 

Ansprechpartner:

Florian Kaltner, Lehrstuhl für Lebensmittelsicherheit, LMU München, Tel. 089-2180-78524, florian.kaltner@lmu.de

Dr. Christoph Gottschalk, Lehrstuhl für Lebensmittelsicherheit, LMU München, Tel. 089-2180-78526, christoph.gottschalk@lmu.de

 

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N- und P-reduzierte Fütterungsverfahren

Die Deutsche Landwirtschafts-Gesellschaft e. V. (DLG e. V.) hat ein neues Merkblatt zum Thema „Berücksichtigung N- und P-reduzierter Fütterungsverfahren bei den Nährstoffausscheidungen von Milchkühen“ veröffentlicht.

Im Hinblick auf die Düngeverordnung ist eine gute fachliche Praxis, in Bezug auf die Senkung der Nährstoffausscheidungen bei Milchkühen wichtig. Das DLG-Merkblatt 444 bietet neue Informationen zu Fütterungsstrategien, Ausscheidungsgrößen und zur Dokumentation der Verfahren. Durch die Anpassung der Fütterung an das Laktationsstadium der Milchkuh werden die Ausscheidungen an Stickstoff (N) und Phosphor (P) gesenkt. Das pdf-Dokument ist unter folgendem Link abrufbar dlg-merkblatt_444.pdf.

 

© https://www.dlg.org/de/landwirtschaft/themen/aktuell/

Lebensmittelversorgung ist systemrelevant – was sonst?

Dass die sichere Versorgung mit gesunden und qualitativ hochwertigen Lebensmitteln „systemrelevant“ ist, ist jedem Mitbürger während der Corona-Krise ohne Zweifel klar. Weniger klar ist, was alles dazu gehört um diese Versorgung zu organisieren und aufrecht zu erhalten. Lager, LKWs, Supermärkte mit ihrem Personal? Klar! Hersteller wie z.B. Molkereien? Auch klar! Rohstofflieferanten wie Milchbauern? Sowieso klar! Berater, Kontrolleure, Labore, Qualitätsmanager, Verwaltungen? Hier waren sich viele Menschen gar nicht mehr so sicher oder ließen sehr schnell verlauten: Diese ganze Bürokratie braucht doch kein Mensch! Hört auf damit!

Noch schmerzlicher war es, dass selbst Teile dieser Lebensmittelketten dieser Meinung waren. Hier gilt es in Zukunft anzusetzen und deutlicher zu machen, was alles dazu gehört, damit wir uns alles in unseren Einkaufskorb packen können, was wir brauchen und worauf wir Lust haben – ohne Abstriche an Qualität und Sicherheit machen zu müssen.

Der Milchprüfring Bayern e.V. führt deshalb seine Tätigkeiten auch in der Corona-Krise bestmöglich weiter. Selbstverständlich angepasst an die Situation und unter ständiger Bewertung der Umstände und Abwägung von Nutzen und Risiko. Die Labortätigkeit kann annähernd ohne Einschränkung aufrechterhalten werden; es wurden natürlich organisatorische Maßnahmen zum Schutz der Mitarbeiter umgesetzt. Im Außendienst wird, der Situation angepasst, individuell vorgegangen, was sich sehr bewährt hat. So können wir unseren Beitrag dazu leisten, dass wir selbst in dieser außerordentlich schwierigen Zeit alle Lebensmittel in bewährter Qualität einkaufen können. Danke deshalb an dieser Stelle auch an alle Mitarbeiter des mpr, der AiM GmbH, der milchZert GmbH und der QSE GmbH, die Ihren Aufgaben und Pflichten vorbildlich nachgekommen sind!
 

Ihr Dr. Christian Baumgartner

Informationen zum neuen Hemmstofftest

Die Verbände der bayerischen Milchbranche haben sich darauf verständigt, ab 1. Juli 2020 für den Hemmstoffnachweis in der Anlieferungsmilch einen neuen Test anzuwenden. Mit der Anwendung des BRT hi-sense wird für alle Lebensmittelunternehmer in Bayern - Milcherzeuger und Molkereien - bezüglich der Einhaltung der gesetzlich vorgeschriebenen Höchstrückstandsmengen für Antibiotika Rechtssicherheit geschaffen.

Zu den wichtigsten Fragen in diesem Zusammenhang wurden gemeinsam Antworten (FAQs) formuliert.