Neu: DLG-Merkblatt 460 „Arbeitsorganisation in Milchviehställen“

Der DLG-Ausschuss Milchproduktion und Rinderhaltung hat ein neues Merkblatt zum Thema „Arbeitsorganisation in Milchviehställen“ herausgebracht. Das DLG-Merkblatt 460 gibt hilfreiche Tipps, wie Betriebsleitende und ihre Mitarbeiter die Arbeitsorganisation verbessern können. Grundlage für das Merkblatt war des gleichnamigen DLG-Merkblatt 384, das umfassend überarbeitet wurde.

 

Strukturen, Werkzeuge und Erläuterungen kompakt zusammengefasst

Unter anderem wird beschrieben, wie man durch eindeutige Abgrenzung von Zuständigkeiten, mit einer klaren Definition von Aufgaben, mittels Strukturierung und Standardisierung von Arbeitsprozessen, mit einem aufeinander Abstimmen von betrieblichen Abläufen sowie mit einer klaren Kommunikation das Management im Milchviehbetrieb verbessert. Eine verbesserte Arbeitsorganisation kann Betrieben auch die Möglichkeit bieten, durch geregelte Arbeitszeiten und klar umschriebenen Arbeitsplätzen ein attraktiverer Arbeitgeber zu werden. Darüber hinaus kann strukturierte und organisierte Arbeit zu Effizienzsteigerungen und damit zu niedrigeren Produktionskosten führen. Anschauliche Grafiken sowie Beispiele für einen betrieblichen Tagesplan für Routinearbeiten runden das Merkblatt ab.

 

Quelle: DLG

LKV Bayern: Jahresbericht MLP 2020 ist online

Das LKV Bayern führt in der Leistungsprüfung zwei umfangreiche Datenbanken, eine für die Milchleistungsprüfung (MLP) und eine für die Fleischleistungsprüfung.

Allein in der MLP werden pro Jahr ca. 11 Millionen Probemelkergebnisse sowie die produktionstechnischen Daten von ca. einer Million Kühen erfasst. Die Daten reichen 45 Jahre zurück, sodass auch umfassende Stammbäume erstellt oder langfristige Entwicklungen berechnet werden können. Die Milchleistungsprüfung umfasst neben der Messung der Milchmenge auch die Bestimmung des Fett-, Eiweiß-, Laktose- und Harnstoffgehalts der Milch, die Kontrolle der Eutergesundheit und Stoffwechselstabilität, die Bewertung der Melkbarkeit und die Erfassung der biologischen Daten, wie z.B. Belegung und Abkalbung.

Die erfassten Daten dienen in erster Linie der Information der Landwirte über die Leistungen ihrer Tiere, den Nährstoffbedarf, ihrer Gesundheit und Abstammung. Sie stellen aber auch einen wertvollen Fundus für Auswertungen zahlreicher aus der Praxis und Wissenschaft kommenden Fragestellungen dar.

 

Neuer MLP-Bericht 2020 veröffentlicht

Mitte März veröffentlichte das LKV Bayern seinen Jahresbericht der Milchleistungsprüfung für das Jahr 2020. Der MLP-Bericht beinhaltet u. a. die Ergebnisse und Auswertungen der Milchleistungsprüfung sowie zu Eutergesundheit, Kalbungen und Fitness. In einer kurzen Übersicht werden Ihnen alle App-Anwendungen vorgestellt, darunter unter anderem LKV-Rind, LKV-FuLab, LKV-Anpaarung oder LKV-Info. Darüber hinaus erfahren Sie Neues zu den aktuellen Forschungsprojekten.

 

Quelle: LKV Bayern

Neue Studiengänge und Infotage an der HSWT

Die Hochschule Weihenstephan-Triesdorf (HSWT) führt zum Wintersemester 2021/22 zwei neue Studiengänge ein. Einer davon nennt sich "Agribusiness" und ist an der Fakultät für Nachhaltige Agrar- und Energiesysteme beheimatet. Der neue Studiengang löst damit das Vorgängermodell „Wirtschaftsingenieurwesen Agrarmarketing und Management“ ab. Das vollständig überarbeitete Angebot bietet ein noch reicheres Konzept und macht die Studierenden fit in der Verzahnung von Ökonomie, Landwirtschaft und digitaler Technologie.

 

Die Studieninhalte – eine kurze Zusammenfassung

Im neue Studiengang "Agribusiness" dreht sich alles um den vor- und nachgelagerten Bereich der Wertschöpfungskette Nahrungsgewinnung, d.h. von der Erzeugung über die Verarbeitung bis zum Verkauf bzw. Konsum. Der Studiengang vereint Ökonomie, Marketing, nachhaltige Landwirtschaft und Digitalisierung bzw. Technik in einem Fach. Nachhaltiges Denken und Handeln zieht sich als roter Faden durch alle Fächer.

Das im Studium erworbene Verständnis über die landwirtschaftlichen Prozesse hilft, kundenorientierte Lösungen im vor- und nachgelagerten Bereich zu kreieren sowie innovative, gewinnbringende Vorschläge für Unternehmen zu entwickeln. Die wirtschaftlichen und ökologischen Herausforderungen in der Landwirtschaft werden anschaulich vermittelt. Interdisziplinäre Kommunikation, Zusammenarbeit und Beratung sind für die Absolvent*innen keine Fremdwörter mehr.

Das Erfassen von Daten zur Dokumentation, der Nachverfolgbarkeit oder des Qualitätsmanagements fordern ein gezieltes Big Data Management. Die praxisnahe Anwendung der Digitalisierung als Unterstützer für die optimierte Steuerung von Prozessen in der Landwirtschaft und im Unternehmen werden an verschiedenen Beispielen im Studium kennen und anwenden gelernt.

Das Studium berücksichtigt im ausgewogenen Verhältnis theoretische und praktische Inhalte. Neben anwendungsorientierten Projektarbeiten wird der Praxisbezug insbesondere im praktischen Studiensemester gewährleistet. Ein vielfältiges Angebot an Wahlfächern runden das Angebot ab. Die Auswahl umfasst betriebswirtschaftliche, landwirtschaftliche, persönlichkeitsbildende und sprachliche Module.

 

Virtuelle Studieninfotage vom 29. März bis 09. April

Vom 29. März bis 09. April 2021 veranstaltet die HSWT virtuelle Studieninfotage, in denen das gesamte Studienangebot vorgestellt wird. Am 30. März können alle Interessenten am virtuellen Infotag der Fakultät für Nachhaltige Agrar- und Energiesysteme teilnehmen. Neben dem Stuiengang "Agribusiness" wird dort auch der zweite Neuling "Bio-Lebensmittel & Business" ein Thema sein.

Anschließend an die Infotage bietet die HSWT die Möglichkeit an einem Schnupper-Studium vom 29.05.-02.06.2021 teilzunehmen.

 

Quelle: HSWT

Ackerbarometer 2021

Was wird auf den Äckern aktuell ausgesät? Welche Pflanzenschutz- und Düngemaßnahmen werden durchgeführt? Und am Ende: Welche Erträge bringen Mais oder Weizen, und wie steht es um deren Qualität? Das Ackerbarometer 2021 liefert ganzjährig aktuelle Informationen für Praktiker. Das Projekt ist eine Initiative von raiffeisen.com, der Firma Adama und der DLG.

Teilen Sie anonym und unverbindlich Angaben zur Aussaat, zu Pflanzenschutzmaßnahmen und zur Ernte mit anderen Landwirten und vergleichen Sie Ihre Angaben mit Ihren Berufskollegen in ganz Deutschland.

Mit den Themen Aussaat der Sommerungen und Pflanzenschutz startet das Ackerbarometer in die Saison. Ab sofort können Landwirte ihre Informationen in die Datenbank eintragen. So lassen sich die Aussaattermine und die Pflanzenschutzmaßnahmen deutschlandweit verfolgen und durch eigene Werte vervollständigen.

Das Ackerbarometer ist über folgende Websites zu erreichen:

Das Ernte-Monitoring für Getreide, Raps und Mais soll in den kommenden Monaten folgen.

Quelle: BW agrar

Milchpur 2.2021 erschienen

Wir freuen uns, Ihnen wieder eine interessante Zusammenstellung von Themen rund um die Milcherzeugung in unserem Magazin bieten zu können. Die Verteilung über unsere mpr-Logistik hat bereits begonnen, sodass Sie in Kürze auch Ihr persönliches Exemplar in den Händen halten können.

Wir bedanken uns bei den Milchsammelwagenfahrern, die für uns immer zuverlässig die Verteilung an alle Milchbauern in Bayern übernehmen.

Vorab können Sie die neue Ausgabe bereits online lesen.

Aus dem Inhalt:

  • Neue Rohmilchgüteverordnung
  • Haptoglobin im Blick
  • Eine Tochter wird 15
  • Gefahr unter der Oberfläche
  • Milchfieber aktiv vorbeugen
  • Ein neues Leben
  • Grundstein für eine erfolgreiche Aufzucht
  • Warm, wärmer.... heiß!
  • Universelle Helfer
  • So fühlt sich die »Q-Wohl«
  • »Alexa, fütter die Kühe!«
  • Der Rundumschutz für Getreidekulturen
  • Perfekter Start ins Grünlandjahr

 

Wir wünschen Ihnen viel Spaß beim Lesen! Gerne können Sie auch in den letzten Ausgaben schmökern. Unter Milchpur - Archiv

Jederzeit informiert – die mpr-App macht’s möglich

Die Welt wird digitaler und auch die Landwirtschaft folgt diesem Trend. Warum also nicht auch eine App entwickeln, mit der Sie die Laborergebnisse ihrer Milchproben abrufen können? Der mpr machte sich auf den Weg und im Herbst 2015 war es soweit – die kostenlose App »mpr-mobil« ging online. Seitdem hat sich viel getan. So wurden aus 6.200 Nutzern Anfang 2016 mittlerweile mehr als 10.600 Nutzer.

 

mpr - mobil. praktisch. rund um d‘Uhr

Mit der mpr-App haben Sie von überall Zugriff auf Ihre Sonder-, Güte- und Betriebsproben sowie die Ergebnisse des PAG-Tests aus Milch. Einmal geladen, sind die Daten auch offline verfügbar. Darüber hinaus besteht die Möglichkeit die App als alleinigen offiziellen Benachrichtigungsweg für Grenzwertüberschreitungen zu wählen. Im Kundenbereich der Homepage des mpr können Sie ganz einfach die bisherigen kostenpflichtigen Benachrichtigungswege über Brief oder E-Mail abbestellen.

 

Die mpr-App überzeugt

Eine push-Mitteilung in der App informiert Sie über die neuen Werte, die Grenzwertüberschreitungen erscheinen in der Übersicht als rot markierter Wert. Die App gibt es für Android- und Apple- Smartphones sowie alle gängigen Tablets und muss einmalig installiert werden.

Nutzen Sie hierfür den Play Store/App Store oder scannen den passenden QR-Code ein. Für die Registrierung nehmen Sie die gleichen Anmeldedaten (Benutzernamen und Passwort), mit denen Sie sich in den Kundenbereich auf der mpr-Homepage einloggen. Die App wird für die zwei marktführenden Betriebssysteme iOS (Apple) und Android (Google) angeboten. Der Großteil der Nutzer, knapp 82 %, nutzen die App über das Android-Betriebssystem. Hier wurde die App bereits über 10.000 Mal heruntergeladen. Die Bewertungen im Google Play Store sprechen für sich: 57 Personen gaben eine Bewertung ab - Gesamtbewertung 4,3. Beim Apple-Betriebssystem konnte aufgrund der bisher geringen Zahl der Bewertungen noch keine Aussage getroffen werden.

 

Sicher vor Hemmstoffen

Seit dem 1. Juli 2020 wird in Bayern empfindlicher auf Hemmstoffe untersucht. Der Beschluss der bayerischen Milchwirtschaft zum Einsatz des Tests »BRT hi-sense« hat im Vorfeld viele Diskussionen ausgelöst. Wie ist die Situation gut acht Monate danach?

 

120.000 Hemmstoffuntersuchungen pro Monat

In Bayern werden aktuell pro Monat ca. 120.000 Hemmstoffuntersuchungen durchgeführt. Dabei kommen von jedem Milcherzeugerbetrieb durchschnittlich 4,6 Anlieferungsmilchen pro Monat zur Untersuchung. Der langjährige Trend zeigt die erfolgreiche Arbeit der bayerischen Milcherzeuger, nach notwendigen Behandlungen ihrer Kühe Rückstände von Antibiotika aus der Anlieferungsmilch fernzuhalten. Im Durchschnitt werden (Stand September 2020) trotz empfindlicheren Tests nur etwa 20 von 100.000 untersuchten Proben als hemmstoffpositiv gefunden – eine Rate von 0,02 %, die in keinem anderen Lebensmittel tierischer Herkunft erreicht wird.

 

Kaum Anstieg hemmstoffpositiver Proben

Da der bisher angewendete Hemmstofftest bei einigen Antibiotikagruppen die gesetzlich erforderlichen Nachweisempfindlichkeiten nicht erreichte, kommt seit 1. Juli 2020 in Bayern der sensiblere Test BRT hi-sense der Firma Analytik in Milch GmbH (München), einer gemeinsamen Unternehmung des Milchwirtschaftlichen Vereins Baden-Württemberg e.V und des Milchprüfring Bayern e.V., zum Einsatz. Auch wenn mit diesem Test möglicherweise vorhandene Rückstände sensibler nachgewiesen werden, zeigen die Zahlen, dass die bayerischen Milcherzeuger die Informationen und Diskussionen im Vorfeld der Einführung gut aufgenommen und in ihre tägliche Routine umgesetzt haben, da gegenüber dem Vorjahr kaum mehr hemmstoffpositive Proben zu verzeichnen sind.

 

Wie die Grafik zeigt zeigt, kam es zwar durch den Einsatz des BRT hi-sense ab Juli erwartungsgemäß zu einer Erhöhung der positiven Nachweise von Hemmstoffen, das Niveau des Vorjahres wird aber kaum übertroffen und im Vergleich mit den Jahren 2018 und früher wurden trotz sensibleren Testsystems deutlich weniger positive Ergebnisse ermittelt. Ein großer Erfolg für die Qualitätsarbeit der bayerischen Milcherzeuger!

 

Abschließend ist festzuhalten, dass die Ziele der Umstellung bei der Hemmstoffuntersuchung in Bayern erreicht wurden: ein Mehr an Sicherheit durch lückenlosere Untersuchung ohne zusätzliche Belastungen für unsere Milcherzeuger. Die Verbände der bayerischen Milchwirtschaft haben gemeinsam das Image der Milch im nationalen und internationalen Vergleich gestärkt.

 

Quelle: MilchPur

Selektives Trockenstellen von Milchvieh

Die in vielen Betrieben erreichten Verbesserungen im Bereich der Eutergesundheit sowie die gesellschaftliche Debatte zum Antibiotikaeinsatz in der Tierhaltung erfordern einen gezielteren Einsatz. Zu hinterfragen ist die Behandlung aller Kühe in der Trockenstehzeit mit sogenannten „Trockenstellern“, weil hierbei auch eutergesunde Tiere behandelt werden. Eine Alternative bietet das selektive Trockenstellen, das grundsätzlich in jedem Milchviehbetrieb umsetzbar ist. Wichtig ist, das richtige Maß des selektiven Trockenstellens für den jeweiligen Betrieb zu finden.

 

Mastitis – wirtschaftlich bedeutend

Euterentzündungen zählen zu den teuersten Erkrankungen von Milchkühen. Laut BLE beziffern sich die wirtschaftlichen Verluste auf 1,4 Milliarden Euro pro Jahr. Neben bestimmten Krankheitserregern können eine Reihe von weiteren Faktoren, zum Beispiel Haltungsbedingungen, Melkhygiene und -technik sowie die körpereigene Abwehr der Kuh, eine Erkrankung begünstigen.  Umso wichtiger ist es, den Keimdruck im Stall niedrig zu halten. Daher tragen eine gute Stallhygiene sowie helle, gut durchlüftete Ställe mit breiten Laufwegen und optimal gestaltete Liegeflächen positiv zur Eutergesundheit einer Herde bei.

 

Selektives Trockenstellen ohne Antibiotika

Selektives Trockenstellen beschreibt die Beschränkung der Gabe von antibiotischen Trockenstellpräparaten auf infizierte Tiere. Bei eutergesunden Tieren kann auf den Einsatz von Antibiotika verzichtet werden. Das trägt nicht nur zu einer Reduzierung von Antibiotika bei, sondern spart gleichzeitig auch Kosten. Doch wie entscheiden, welche Kuh ohne Antibiotika trockengestellt wird?

Als Entscheidungskriterium kann zum Beispiel der Zellzahlgrenzwert von 100.000 Zellen/ml bei Betrachtung des Gesamtgemelkszellgehaltes der letzten MLP vor dem Trockenstellen betrachtet werden:

  • Kühe mit Zellzahlen unter 100.000 Zellen gelten als eutergesund und werden ohne Antibiotika trockengestellt.
  • Bei Tieren mit Zellzahlen zwischen 100.000 und 200.000 Zellen pro Milliliter wird zum Zeitpunkt des Trockenstellens der Schalmtest durchgeführt. Bei negativen Reaktionen und keinen deutlichen Vierteldifferenzen wird das Tier als eutergesund eingestuft und auch ohne Antibiotikum trockengestellt.
  • Von Tieren mit Zellzahlen über 200.000 Zellen müssen Viertelgemelksproben zur zyto-bakteriologischen Untersuchung genommen werden. Entsprechend dem Ergebnis wird dann weiter gezielt verfahren.

Unter ständigem Abgleich der Ergebnisse der Neuinfektions- und Heilungsrate in der Trockenstehzeit lässt sich dieses Schema einfach auf Betriebsebene umsetzen und in einem zweiten Schritt hinsichtlich des Beurteilungskriteriums „Zellgehalt im Gesamtgemelk“ variieren. Bleibt die Euter­gesund­heit in der Herde stabil, ist beispielsweise eine Anhebung des Grenzwertes auf 150.000 oder 200.000 Zellen/ml möglich.

 

Die Herde im Blick behalten

Das Weglassen antibiotischer Trockensteller kann dann zu einer Verschlechterung der Heilungsrate führen, wenn zu viele infizierte Euterviertel unbehandelt bleiben. Ebenso wird das selektive Trockenstellen erschwert durch eine hohe Neuinfektionsrate auf Herdenebene sowie viele chronisch kranke Tiere. Selektives Trockenstellen setzt eine Optimierung des gesamten Trockenstehermanagements (Gesundheitsüberwachung, Hygiene, Haltung, Fütterung) voraus und erfordert eine aktive Auseinandersetzung mit dem Thema Eutergesundheit in seinen zahlreichen Facetten.

 

Zitzenversiegler – ja oder nein?

Ein Versiegeln der Zitzen zum Zeitpunkt des Trockenstellens soll das Eindringen von pathogenen Keimen und damit Neuinfektionen vermeiden. Dazu wird ein sogenannter Zitzenversiegler in die Zitzenzisterne gespritzt, wodurch die innere Strichkanalöffnung bis zum erstmaligen Melken nach dem Abkalben verschlossen bleibt. Bei gesunden Tieren bildet sich innerhalb von wenigen Tagen ein natürlicher Keratinpfropf, der die Zitze während der Trockenstehzeit vor Mastitiserregern schützt. Eine deutsche Studie hat festgestellt, dass bei etwa 50 % der Kühe, die zu Laktationsende noch mehr 21 kg pro Tag geben, der Zitzenverschluss nach einer sechswöchigen Trockenstehzeit nicht ausreichend ausgebildet ist (Wolter, 2015). Auch bei leichtmelkenden Kühen und bei Zitzen mit Hornhautwucherungen an der Zitzenspitze, sogenannten Hyperkeratosen, ist der Strichkanal oft nicht geschlossen. Somit besteht ein erhöhtes Infektionsrisiko.

 

Hygiene beachten

Wichtig ist, dass die Anwendung von Trockenstellpräparaten unter Beachtung strenger Hygiene erfolgt, da sonst die Gefahr besteht, dass Erreger beim Einbringen des Präparates eingeschleppt werden. So dürfen Trockenstellertuben nicht in Eimern mit warmen Wasser erwärmt, Tuben nicht ohne sorgsame Vordesinfektion der Zitzen appliziert, nicht auf der Melkstandfläche abgelegt oder die Verschlusskappen nicht mit dem Mund abgezogen werden.

 

Fazit

Bei euterkranken Kühen ist die antibiotische Trockenstelltherapie in der Regel die wirksamere Maßnahme, sofern die Erreger sensibel auf die gewählten Mittel reagieren. Eine Behandlung eutergesunder Tiere ist beim Trockenstellen hingegen nicht zu rechtfertigen. Anstelle antibiotischer Langzeitpräparate stehen für den Schutz vor Neuinfektionen interne Zitzenversiegler zur Verfügung, die bei richtiger Anwendung einen zuverlässigen Schutz liefern. Ziel ist der Erhalt eines hohen Gesundheitsniveaus, bei gleichzeitiger Reduktion des Einsatzes von antibiotisch wirksamen Stoffen auf das notwendige Maß.

 

Kurz erklärt: Zitzenversiegler und antibiotische Trockensteller
Antibiotische Trockensteller töten Mastitiserreger mithilfe von antibiotischen Wirkstoffen im Euter ab. Die meisten Trockensteller wirken etwa vier bis sechs Wochen.
Zitzenversiegler bestehen aus einer viskosen Paste ohne antibiotischen Wirkstoff. Sie soll während der Trockenstehphase in der Zitzenzisterne verbleiben, damit keine Keime in das Euter eindringen können. Der Zitzenversiegler darf nicht hochmassiert werden. Händisches Ausmelken am Laktationsbeginn entfernt den künstlichen Pfropfen.

 

Quelle: DLG, BLE, LK NÖ

Verzicht auf Laktose

Im Rahmen einer Umfrage zum Thema Ernährung befragte das Hamburger Marktforschungsinstitut Splendid Research im Juni 2020 870 in Deutschland lebende Personen, die zumindest gelegentlich auf Laktose verzichten. Die Teilnehmer der Studie waren alle zwischen 16 und 69 Jahren alt. Ziel der Studie war es Einstellungen, Ernährungsverhalten sowie Nutzung von Ersatzprodukten herauszufinden. Ferner gibt die Studie detaillierte Einblicke in die Marktposition von zehn Herstellern laktosefreier Ersatzprodukte.

 

Laktosefreie Marken – welche gibt es?

In den Supermärkten sind mittlerweile viele unterschiedliche Marken gelistet, die Ersatzprodukte mit dem Label „laktosefrei“ anbieten. Sie kosten oft mehr als die herkömmlichen Varianten. Laut Umfrage sind die bekanntesten Marken MinusL (77 %), Rewe frei von (49 %) und Landliebe Laktosefrei (46 %). Unabhängig der jeweiligen Herstellerbewertung bemängeln 52 % der Verbraucher die generelle Preisstruktur der Ersatzprodukte. Hinsichtlich der Produktauswahl zeigt sich die Mehrheit zufrieden, lediglich 37 % kritisieren die aktuelle Auswahl.

 

Nur 21 % verzichten auf Grund von Unverträglichkeit

Laut der aktuellen Studie haben 90 % der auf Laktose verzichtenden Verbraucher bereits Ersatzprodukte gekauft. Interessant ist, dass bei lediglich 21 % dieser Verbraucher eine Intoleranz nachgewiesen wurde. 55 % verzichten aufgrund einer selbst diagnostizierten Unverträglichkeit. Ein weiteres Fünftel ist zudem nur indirekt über ein laktoseintolerantes Haushaltsmitglied betroffen, verzichtet aber dennoch. Ferner vermeiden 9 % laktosehaltige Produkte, um dem aktuellen Trend zu folgen.

 

Hohe Kaufbereitschaft für Ersatzprodukte

Die Kaufbereitschaft für laktosefreie Alternativprodukte ist ausgeprägt: 94 % der Personen, die unter Laktoseintoleranz leiden, haben bereits ein Ersatzprodukt gekauft. Bei Personen ohne Befund liegt die Quote immerhin bei 89 %. Das beliebteste Ersatzprodukt ist mit 87 % die laktosefreie Milch, dicht gefolgt von Joghurt bzw. Quark (71 %) und Käse (51 %). Für 43 % der Befragten ist eine gesteigerte Auswahl im Bereich Backwaren wünschenswert.

 

Schon gewusst?

Laktose ist der in Milch enthaltene Zucker. Je nach Herstellungsprozess kann der Laktoseanteil in den einzelnen Milchprodukten variieren. So wird zum Beispiel bei der Käseherstellung ein Teil der Laktose bereits mit der Molke abgetrennt und durch Milchsäurebakterien während dem Reifeprozess weiter abgebaut. Dadurch haben insbesondere länger gereifte Käsesorten oft einen Laktosegehalt von weniger als 0,1 %. Bevor also zu einem Ersatzprodukt mit dem Label „laktosefrei“ gegriffen wird, tun es in den meisten Fällen auch herkömmliche Hart- und Schnittkäse wie Emmentaler, Bergkäse, Parmesan oder Gouda. 

 

In Deutschland darf Käse nur dann als "laktosefrei" bezeichnet werden, wenn er weniger als 0,1 % Laktose enthält.

 

Quelle: Splendid Research

Jahresauswertungen für 2020

Jedes Jahr werden beim Milchprüfring Bayern e.V. umfassende Daten ausgewertet, um Ihnen einen Überblick zu geben, wie sich z.B. die Zellzahlen in den einzelnen Regierungsbezirken verändert haben. Diese Statistiken stellen wir Ihnen jährlich in unserer Infothek zur Verfügung, sodass Sie sich jederzeit informieren können. Falls Sie spezielle Auswertungen benötigen, können Sie uns über das Kontaktformular kontaktieren.  

Für das Jahr 2020 können Sie folgende Auswertungen einsehen:

Die Jahresauswertungen gehen bis in das Jahr 2010 zurück, sodass umfangreiche Vergleiche möglich sind. Darüber hinaus finden Sie in unserer Infothek Infomaterialien, Broschüren, Flyer und Informationen zur App mpr-mobil.

Aktuelle Auswertungen zum jeweiligen Monat finden Sie unter Monatsstatistik – Jahresfortschreibung.

Milch ist nicht gleich Milch

Verbraucher können Milch mittlerweile nicht mehr nur im Supermarkt kaufen. So erfreuen sich Milchtankstellen oder Milchausgabeautomaten auf dem Hof wachsender Beliebtheit. Doch Milch ist nicht gleich Milch. Da Rohmilch nicht wie Konsummilch einer Wärmebehandlung unterzogen wird, werden krankheitsauslösende Keime nicht abgetötet. Aus diesem Grund sollten empfindliche Personengruppen wegen der Keimbelastung auf Roh- und Vorzugsmilch verzichten.
Als tierisches Lebensmittel kann Milch sogenannte Zoonoseerreger enthalten, die von der Kuh selbst stammen oder über den Melkprozess eingetragen werden. Zoonoseerreger wie zum Beispiel Salmonellen, Campylobacter oder Listerien sind Keime, die vom Tier auf den Menschen übertragen werden und Erkrankungen auslösen können. Die Lebensmittelüberwachungsbehörden der Bundesländer kontrollieren daher Milch und Milchprodukte regelmäßig auf ihre Keimgehalte. Lebensmittelrechtlich wird bei Milch zwischen Rohmilch, Vorzugsmilch und Konsummilch unterschieden.


 

Rohmilch

Rohmilch wird nicht über 40°C erhitzt oder einer ähnlich wirkenden Behandlung unterzogen, die Bakterien abtötet. Rohmilch darf nur direkt im milcherzeugenden Betrieb, in dem sie gewonnen wurde mit dem gut sichtbaren Hinweis „Rohmilch, vor dem Verzehr abkochen“ an Verbraucher abgegeben werden („Milch ab Hof“).

 

Vorzugsmilch

Abgepackt darf Rohmilch nur als Vorzugsmilch an Verbraucher verkauft werden. Sie darf nur aus bestimmten, zuvor genehmigten und regelmäßig kontrollierten Milcherzeugungsbetrieben stammen. An den Tierbestand, den Betrieb sowie die Vorzugsmilch werden besondere rechtliche Anforderungen gestellt. Als besonders leicht verderbliches Lebensmittel ist Vorzugsmilch mit einem Verbrauchsdatum und dem Hinweis „Aufbewahren bei höchstens + 8 °C“ zu kennzeichnen. In Proben von Vorzugsmilch wurden in bestehenden Überwachungsprogrammen keine krankmachenden Keime nachgewiesen, sodass die hohen hygienischen Anforderungen die Kontamination der Milch offenbar weitgehend vermeiden.


Rohmilchkäse

Rohmilchkäse wird – wie der Name sagt – aus roher Milch von Kühen, Schafen und Ziegen hergestellt. Konsummilch wird vor der Abgabe an Verbraucher grundsätzlich wärmebehandelt (z. B. durch Pasteurisation oder Ultrahocherhitzung). Rohmilch hingegen lediglich auf maximal 40°C erwärmt, weshalb in ihr eventuell befindliche Bakterien überleben können. Wie Ergebnisse aus einem Zoonosen-Monitoring zeigen, wurden bis zu 1,6 % der Proben von Rohmilchkäse positiv für Salmonella spp., STEC/VTEC und Listeria monocytogenes getestet. In einer Probe von Weichkäse/halbfestem Schnittkäse wurden so hohe Keimzahlen von Listeria monocytogenes nachgewiesen, dass sie eine potenzielle Gesundheitsgefahr für den Menschen darstellten. Typische Beispiel für Rohmilchkäse sind Roquefort, Parmesan, Tilsiter oder Emmentaler.

 

Verzehrsempfehlungen

Salmonellen und Campylobacter sind häufig Auslöser von Magen-Darm-Erkrankungen beim Menschen. Infektionen mit Listeria monocytogenes treten im Vergleich dazu zwar insgesamt seltener auf. Sie können aber schwere Erkrankungen wie Hirnhautentzündungen auslösen und sogar zum Tode führen. Die Untersuchungsergebnisse unterstreichen daher die Empfehlung des Bundesinstituts für Risikobewertung, dass empfindliche Verbrauchergruppen wie Kleinkinder, ältere und immunsupprimierte Menschen sowie Schwangere auf den Konsum von nicht wärmebehandelter Rohmilch und Rohmilchkäse verzichten sollten. Diese Empfehlung gilt auch für den Konsum von Vorzugsmilch, da Vorzugsmilch zum direkten Verzehr bestimmt ist und ein Vorkommen von pathogenen Keimen nicht gänzlich ausgeschlossen werden kann.

 

Quelle: Bundesamt für Lebensmittelsicherheit

In 5 Schritten zum richtigen Zitzengummi

Der technische Fortschritt macht auch vor dem Zitzengummi nicht halt! Was auf den ersten Blick recht banal aussieht, entpuppt sich bei näherer Betrachtung als sensibles Bauteil. Zu eng, zu kurz, zu weit – die Liste warum ein Zitzengummi nicht passen könnte ist lang. Haben Sie schon einmal versucht mit unpassendem Schuhwerk vom Münchner Hauptbahnhof zum Marienplatz zu laufen? Vielleicht schaffen Sie es die ersten Male problemlos. Bei täglicher Wiederholung ist irgendwann beim Stachus Schluss und vielleicht laufen Sie irgendwann gar nicht mehr los.

Zitzengummis sind das entscheidende Bindeglied zwischen Tier und Melkanlage. Nicht selten sind schlecht sitzende Zitzengummis verantwortlich für verlängerte Melkzeiten, eine schlechte Stimulierung der Zitzen und abfallendes Melkzeug. Darüber hinaus stellt sprödes Material ein erhöhtes Gesundheitsrisiko durch die Übertragung von Krankheitserregern dar. Bei der Wahl des passenden Zitzengummis spielen viele Faktoren eine Rolle. Zum Beispiel sind auch rassespezifische Unterschiede zu beachten.

Tabelle 1: Rassenabhängige Standardabmessungen von Zitzengummis

Rasse

Durchmesser Kopfloch [mm]

Durchmesser Schaft [mm]

HF, RB, SB

18 – 22

21 – 25

BV

20 – 22

23 – 25

FV

22 – 25

>25

 

Welche Folgen haben schlecht sitzende Zitzengummis?

Bei der Größe des Zitzengummis sind zwei Parameter entscheidend: Kopflochdurchmesser und Schaftdurchmesser. Ein passendes Kopfloch vermeidet Einschnürungen an der Zitzenbasis der Zitze. So schnüren zu kleine Zitzengummis die Zitze ab und verhindern das Öffnen des Schließmuskels. Dies verlangsamt den Melkprozess, beeinträchtigt den Ausmelkgrad und führt dazu, dass sich das Melkzeug nur schwer anstecken und abnehmen lässt. Ein passender Schaft sorgt für eine möglichst lange Haftreibung zur Zitze und verhindert ein vorzeitiges „Klettern“ des Zitzenbechers. Dadurch können überdehnte Zitzen verhindert werden, die wiederum zu Schwellungen und Verhärtungen führen können.

Natürlich haben auch zahlreiche andere Faktoren (Eutervorbereitung, Vakuumhöhe, …) einen Einfluss auf die Euterkondition. Dennoch sollte jede Stellschraube zur Optimierung genutzt werden.

 

In 5 Schritten zum richtigen Zitzengummi

Um die optimale Zitzengummigröße für den eigenen Betrieb zu bestimmen, ist es sinnvoll, in regelmäßigen Abständen eine Zitzenbonitur durchzuführen. Spezielle Schablonen, wie zum Beispiel die Landwirtschaftskammer Oberösterreich anbietet, erleichtern Ihnen hierbei den Arbeitsaufwand.

  1. Führen Sie die Erhebung möglichst kurz von dem Melkvorgang durch.
  2. Stecken Sie die Zitzenspitze durch das Loch der Schablone und führen diese vorsichtig hoch bis kurz vor die Zitzenbasis. Sollte das Loch zu schmal bzw. zu breit sein, führen Sie den Vorgang nochmals mit dem nächstgrößeren/-kleineren Schablonenloch durch. Haben Sie keine Schablone zur Hand notieren Sie Durchmesser und Länge.
  3. Wiederholen Sie den Vorgang an den restlichen 3 Eutervierteln und an möglichst vielen Kühen innerhalb des Bestandes.
  4. Notieren Sie die erhobenen Daten und berechnen Sie den durchschnittlichen Durchmesser der einzelnen Zitzen des Euters (Zitze links bzw. rechts vorne, Zitze links bzw. rechts hinten) und den Gesamtdurchschnitt innerhalb des Milchviehbestandes. Gegebenenfalls kann auch der Durchschnitt des Zitzendurchmessers der vorderen bzw. hinteren Euterhälfte erhoben werden.
  5. Passen Sie den Durchmesser des Zitzengummis an den ermittelten Durchschnittswert des Tierbestandes an. Im Zweifelsfall einen engeren Durchmesser wählen. Gegebenenfalls können für die vordere und hintere Euterhälfte jeweils unterschiedliche Größen verwendet werden. Bei zu starken Abweichungen innerhalb eines Bestandes sollte ein eher weicheres Gummimaterial verwendet werden.

Die gewählte Gummigröße sollte im Idealfall dem Zitzendurchmesser von 80 % des Milchviehbestandes entsprechen, was in der Praxis aber eher schwer zu erreichen ist.

Hier gibt’s nochmal alle Schritte zum Nachlesen und ausdrucken: MilchPur


Material und Wartung

Grundsätzlich wird bei Zitzengummis nach den vier Parametern Größe, Material, Festigkeit und Form unterschieden. Beim Material gibt es standardmäßig zwei marktgängige Gummiarten: Silikon und Kautschuk. Sollte Silikon verwendet werden, ist eine fettfreie Reinigung unbedingt erforderlich. Je unterschiedlicher die Zitzen in einem Betrieb sind, desto weicher sollte das verwendete Zitzengummi-Material sein.

Unabhängig vom Material sollten immer die vom Hersteller empfohlenen Zitzengummis eingesetzt und die vorgeschriebenen Wechselinterwalle eingehalten werden. Das sind in der Regel 750 Stunden bei schwarzen Zitzengummis und 1.500 Stunden bei der Variante aus Silicon.

 

Quelle: Landwirtschaftskammer Oberösterreich

Tierseuchenbeiträge 2021

Als Tierseuchenbeiträge für das Jahr 2021 sind zu entrichten:

  • für jedes Rind (auch Kalb) einschließlich Bison, Wisent, Wasserbüffel je Tier 5,90 €
  • für jedes Pferd (auch Fohlen) je Tier 1,40 €
  • für jedes Schwein (auch Ferkel) je Tier 1,10 €
  • für jedes mindestens zehn Monate alte Schaf je Tier 1,10 €
  • für jedes Huhn und jeden Hahn (auch Küken) je Tier 0,03 €
  • für jedes Truthuhn und jeden Truthahn (auch Küken) je Tier 0,16 €

Tierseuchenbeiträge von insgesamt weniger als 2,50 € werden nicht erhoben.

 

Wie bereits in den Vorjahren werden die Tierzahlen der Rinder zum 01.01.2021 aus der HI-Tierdatenbank übernommen. Für rinderhaltende Betriebe bedeutet dies, dass sie den zugesandten Meldebogen 2021 nur zurücksenden müssen, wenn sie außer den Rindern auch noch andere beitragspflichtige Tierarten halten, die Tierhaltung im Jahr 2020 aufgegeben haben oder zu der EU-rechtlichen Frage Angaben machen müssen.

Die Tierbestandsmeldung zum 01.01.2021 kann auch über den Online-Zugang auf der Internetseite der Tierseuchenkasse (www.btsk.de) oder per Smartphone/Tablet über den aufgedruckten QR-Code auf dem zugesandten Meldebogen erfolgen.

Die Bayerische Tierseuchenkasse ist auf die Mithilfe der Tierhalterinnen und Tierhalter angewiesen, um auch in Zukunft eine reibungslose Datenübernahme und damit korrekte Beitragserhebung gewährleisten zu können.

Es wird darauf hingewiesen, dass der Anspruch auf Leistungen der Bayerischen Tierseuchenkasse entfällt, wenn schuldhaft ein Tierbestand nicht oder nicht vollständig angegeben oder die Beitragspflicht nicht erfüllt wird.

 

© Bayerische Tierseuchenkasse

Bakterien mit Superheldenpower!

Wer kennt sie nicht – die Superhelden! Als Hulk, Thor, Captain America oder Iron Man flimmern sie seit Jahren über die Kinoleinwände. Ihre Missionen enden so gut wie immer im finalen Endkampf, bei dem mindestens eine Stadt in Grund und Boden gestampft wird. Wenn Ihnen diese Superhelden zu laut sind, versuchen Sie es doch mal mit den guten alten Bakterien. Sie werden erstaunt sein, welche verborgenen Superkräfte diese kleinen Winzlinge besitzen. 

Bakterien – wahre Alleskönner

Bakterien zählen zu den Mikroorganismen und die sind wahre Künstler, wenn es um die Herstellung von Lebensmitteln geht. Egal ob Molkereien, Brauereien, Bäckereien oder Metzgereien, sie alle setzen Mikroorganismenkulturen bei ihren Herstellungsprozessen ein. Zum Beispiel wandelt das Lactobacillus bulgaricus vereinfacht gesagt Milch in Joghurt um und sorgt für eine stichfeste Konsistenz. Und schon mal was von Oenococcus oeni, Bacillus coagulans oder Bifidobacterium bifidum gehört? Wenn nicht, ist das nicht weiter verwunderlich, denn die Liste der lebensmittelmikrobiologischen Bakterien ist wirklich sehr lang.

 

Kleine Superhelden aus Dänemark

Doch wo kommen die ganzen Bakterien her? Die Antwort ist im dänischen Hørsholm zu finden. Dort sitzt das Biotechnologieunternehmen Chr. Hansen A/S und liefert Lebensmittelkulturen und Enzyme für die Lebensmittelindustrie sowie mikrobielle Lösungen für die Tier- und Pflanzengesundheit. Die Herstellung von Lebensmittelfarbstoffen rundet das Portfolio ab. Der Kunde kann aus einer Vielzahl von Mikroorganismenkulturen wählen und so den passenden Partner für sein Produkt finden.

Galileo zu Gast bei Chr. Hansen

Das Pro7-Wissensmagazin Galileo war kürzlich in der Zentrale der dänischen Firma Chr. Hansen zu Gast. Heraus kam ein achtminütiger Beitrag, der spannende Einblicke in die Welt der Bakterien zeigt. Thomas Schäfer, der „Herr über mehr als 40.000 Bakterienstämme“ erläutert unter anderem, was Bakterien in Lebensmitteln alles leisten können und wie die Chr. Hansen deren Superheldenkräfte im Sinne ihrer Kunden gezielt nutzt. Raten Sie mal, wie die Bakterien in großer Zahl zu den Kunden kommen! Kleiner Tipp: Geflogen kommen sie nicht.

 

Mit einem Klick gelangen Sie hier zum Video: Beitrag_Galileo

Quelle: Chr. Hansen Holding A/S

Corona-Infektionsrisiko selbst berechnen

Die Weihnachtsfeiertage sind vorbei und Sylvester steht vor der Tür. Noch ein „Event“, das viele von uns gewohnt sind groß zu feiern. Eigentlich! Denn dieses Jahr sollten wir ernsthaft überdenken, wie wir den Jahreswechsel verbringen. Haben wir Weihnachten bereits im kleinen Kreis verbracht, so werden wir auch Sylvester ohne große Party überstehen!

Die bayerische Staatsregierung hat die Zahl der Feiernden ohnehin auf maximal 5 Personen aus 2 Haushalten begrenzt sowie weitere Einschränkungen erlassen, wodurch Sylvester, so wie wir es kennen, definitiv nicht stattfinden wird.

Und denken Sie bitte dran, dass jeder, der sich am 2. Weihnachtsfeiertag infiziert hat, an Sylvester am ansteckendsten ist und damit zum hochinfektiösen Viren-Verteiler wird.

 

Keine Feier – Was gut daran ist?!

Nicht groß zu feiern hat auch etwas Gutes. Neben der Tatsache aktiv die Ausbreitung der Pandemie zu verhindern, zeigen sich unter anderem folgende Vorteile: Müll und Feinstaub werden reduziert, Sachschäden an Fahrzeugen oder Gebäuden bleiben aus und der ein oder andere Finger dort wo er hingehört, an Ihrer Hand nämlich. Allein die Stadt München räumte am 1. Januar 2020 55 Tonnen Müll weg. Die Feinstaubbelastung am Stachus erreichte einen Wert von 165 µg/m³ und lag damit deutlich über dem Grenzwert von 50 µg/m³ pro Tag. Zum Vergleich der Wert vor dem Feuerwerk am 31.12.2019: 18 µg/m³.

 

Risikorechner – berechnen Sie Ihre individuelle Ansteckungsgefahr

Wollen Sie dennoch nicht auf das Feiern im kleinen Kreis verzichten, rechnen Sie doch einmal für sich aus, wie hoch die individuelle Ansteckungsgefahr ist, falls einer der Feiernden hochansteckend ist. Am Max-Planck-Institut für Chemie wurde dafür ein Rechen-Tool entwickelt, mit dessen Hilfe die Aerosol Übertragung von COVID-19 und dessen Ansteckungsgefahr in Innenbereichen berechnet werden kann. Die Berechnungen zur Abschätzung von Infektionsrisiken basieren auf wissenschaftlichen Annahmen und Formeln aus dem Artikel „Aerosol transmission of COVID-19 and infection risk in indoor environments“ von Lelieveld et al. 2020.

 

Eins sei zum Schluss noch gesagt: Sylvester läuft nicht davon, es wird nächstes Jahr wieder eines geben, und zwar genau am 31. Dezember!

 

Quellen: Max-Planck-Institut für Chemie, Süddeutsche Zeitung, Umweltbundesamt

Weihnachtsgrüße und ein frohes neues Jahr!

Das Jahr 2020 neigt sich dem Ende zu. Zeit, inne zu halten und das Jahr Revue passieren zu lassen. Viele Herausforderungen galt es zu meistern, einige werden uns auch im kommenden Jahr beschäftigen. War vielleicht bisher die Advents- und Weihnachtszeit eine der wenigen Konstanten, so machte die Pandemie auch davor nicht Halt und schüttelt alle Traditionen und Gewohnheiten gehörig durcheinander.

Trotz der schwierigen Zeit sollte der Blick in die Zukunft positiv sein. Und vielleicht werden die Weihnachtstage gezwungenermaßen wirklich zur staaden Zeit – ohne den üblichen „Weihnachtsstress“ - und Sie können das Jahr im Kreis Ihrer Familie ausklingen lassen, durchatmen und neue Kraft für kommende Herausforderungen tanken.

Alle Mitarbeiter im mpr wünschen Ihnen ein fröhliches und friedliches Fest, einen guten Rutsch in das Jahr 2021, Gesundheit, Glück und Gottes Segen für Ihre Familie, für Haus und Hof.

Strukturwandel in der deutschen Milchwirtschaft

Die Milcherzeugung und Milchverarbeitung war in Deutschland in den vergangenen Jahren durch große strukturelle Veränderungen gekennzeichnet. Während sich die Zahl der milcherzeugenden Betriebe bis heute kontinuierlich verringert hat, haben die verbliebenen Betriebe bei ihren Milchkuhbeständen ein kontinuierliches Wachstum verzeichnet. Ebenfalls konnten die Milcherzeuger die Milchleistung ihrer Kühe infolge von Verbesserungen in der Tierhaltung und durch Zuchtausrichtung erhöhen. Aber auch der Konzentrationsprozess der deutschen Molkereiwirtschaft setzt sich zunehmend fort. Fusionen bestimmen die Molkereilandschaft.

 

Steigende Milchleistung bei sinkenden Betriebszahlen

Strukturwandel in der MilcherzeugungIn den letzten Jahrzehnten hat sich der Bestand an Milchkühen in Deutschland kontinuierlich verringert. Waren es 1980 noch 5,5 Millionen Milchkühe, nahm die Zahl bis Mai 2020 auf rund 4 Millionen ab. Auch die Anzahl der Milcherzeuger in Deutschland ist stetig zurückgegangen. Von fast zwei Millionen Erzeugern in den 1950er-Jahren reduzierte sich die Zahl bis Mai 2020 auf 58.351 Erzeuger, wobei vor allem kleinere Betriebe vom Strukturwandel betroffen waren. Es zeigt sich, dass der Trend zu immer größeren Milchproduktionsbetrieben geht.

Obwohl die meisten Kühe in Bayern (1,2 Millionen Tiere) stehen, ist es mit im Schnitt 39 Tieren pro Betrieb das Bundesland mit den kleinsten Milchkuhherden. Ganz anders sieht es dagegen in den „neuen“ Bundesländern aus. Im Mittel stehen hier zwischen 150 und 200 Milchkühe pro Betrieb. Durch Faktoren wie zum Beispiel eine verbesserte Züchtung oder verbessertes Management konnte die Jahresmilchleistung über die Jahrzehnte gesteigert werden. Lag 1970 die Milchmenge pro Kuh bei 3.280 kg Rohmilch pro Jahr, erzeugt eine Kuh heute im Durchschnitt 8.200 kg Rohmilch pro Jahr.

 

 

Milchverarbeitende UnternehmenDie Molkereien im Wandel – Der Trend zu größeren Molkereien

Auch die Anzahl der Molkereien blieb vom Strukturwandel nicht verschont und verringerte sich vor allem durch Fusionen. Bei einer stetigen Steigerung der verarbeiteten Milchmenge ist gleichzeitig ein Rückgang der Betriebsstätten zu verzeichnen. Von 3.400 milchverarbeitenden Betrieben im Jahr 1950 sind es heute nur noch 155. Hauptgrund für diesen Konsolidierungsprozess sind zum einen Fragen der betriebswirtschaftlichen Effizienz und ein verbessertes Marketing, zum anderen aber auch Investitionen in Innovationen in einem zunehmend globalisierten und wettbewerbsorientierten Markt. Es ist abzusehen, dass dieser Prozess auch in den kommenden Jahren anhalten wird.

 

Quelle: Milchindustrieverband (MIV) und BLE

Die Lahmheit im Blick – Machen Sie sich fit für die Bewegungsbeurteilung

Gesunde Klauen sind das Fundament jeder Milchkuh und sorgen für Vitalität und Langlebigkeit. In 90 % der Fälle führen Klauenerkrankungen zu Lamheiten, die erhebliche Verluste in Milchviehbetrieben verursachen können. Das Förderprojekt „KLAUENfitnet“ nimmt sich seit 2015 diesem Thema an und erweitert sein Angebot nun um ein digitales Hilfesystem und ein E-Learning-Programm. So können Landwirtinnen und Landwirte die Klauengesundheit ihrer Milchkühe noch besser fördern und Lahmheiten effektiver behandeln. Auf welche Anzeichen Sie achten müssen, um Veränderungen des Gangbildes bei Kühen rechtzeitig zu entdecken, erläutert anschaulich das neue E-Learning Modul von KLAUENfitnet.

Häufig werden Lahmheiten zu spät entdeckt. Schwerwiegende und schmerzhafte Klauenerkrankungen sind die Folge, die enorme finanzielle Verluste nach sich ziehen. Entscheidend für eine gute Klauengesundheit ist das frühzeitige Erkennen lahmer Tiere und eine rasche Behandlung. Erste Anzeichen für eine beginnende Lahmheit sind mit etwas Übung leicht zu erkennen. Mit Hilfe der Bewegungsbeurteilung (Locomotion Scoring), ein bewährtes Verfahren nach Sprecher et al., lassen sich Veränderungen in der Körperhaltung und der Bewegung der Tiere auf einer fünfstufigen Skala bonitieren.

Klauengesundheit nachhaltig verbessern

Das Projektteam von KLAUENfitnet hat sich zum Ziel gesetzt, die Klauengesundheit in der Milchviehhaltung nachhaltig zu verbessern und im bereits bestehenden E-Learning KLAUENfitnet ein neues Modul zur Lahmheitsfrüherkennung entwickelt. In dem Modul „Bewegungsbeurteilung bei Kühen“ werden die Veränderungen im Bewegungsbild der Kühe erläutert und in kurzen Videoeinheiten anschaulich dargestellt. Zum Abschluss haben die Nutzer die Möglichkeit, selbst Kühe zu bewerten, sich in der Bewegungsbeurteilung zu testen und das Gelernte direkt anzuwenden. Ein Merkblatt sowie ein Erfassungsbogen runden das Angebot ab und ermöglichen einen direkten Einsatz im Stall.

Das E-Learning ist kostenfrei unter Klauenfitnet aufrufbar. In verschiedenen Modulen steht den Nutzern dort umfangreiches Wissen zur Klauenpflege sowie zu verschiedenen Klauenerkrankungen und dem Klauengesundheitsmanagement zur Verfügung. Viel Spaß beim Anschauen und Lernen!

Hintergrund und Förderung

Die Entwicklung des innovativen Betriebshelfers und des E-Learning Tools ist auf zwei Forschungsprojekte aufgeteilt: Das Projekt KLAUENfitnet wurde im Programm zur Innovationsförderung des Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) und des Zweckvermögens des Bundes bei der Landwirtschaftlichen Rentenbank gefördert. Die Förderung des Folgeprojekt KLAUENfitnet 2.0 erfolgt über die Deutsche Innovationspartnerschaft Agrar (DIP) mit Mitteln aus dem BMEL-Programm zur Innovationsförderung. Beide Projekte werden bzw. wurden vom Projektträger Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (ptble) fachlich betreut. Der Verbund besteht aus dem Deutschen Verband für Leistungs- und Qualitätsprüfungen e. V. (DLQ), der Data Service Paretz GmbH (DSP), der Freien Universität Berlin, der Lemmer-Fullwood GmbH, dem Landeskuratorium der Erzeugerringe für tierische Veredelung in Bayern e.V. und den Vereinigten Informationssystemen Tierhaltung w. V. (vit).
Die Deutsche Innovationspartnerschaft (DIP) Agrar fördert neue Ideen aus der Forschung und Entwicklung mit dem Ziel, die Marktreife zu erlangen und damit den Eingang in die landwirtschaftliche Praxis zu finden. Die vom BMEL eingerichtete Geschäftsstelle in der BLE koordiniert die DIP-Arbeit.

 

Quellen: Pressemeldung DLQ 08.12.2020 und BLE

Milchpur 1.2021 erschienen

Wir freuen uns, Ihnen wieder eine interessante Zusammenstellung von Themen rund um die Milcherzeugung in unserem Magazin bieten zu können. Die Verteilung über unsere mpr-Logistik hat bereits begonnen, sodass Sie in Kürze auch Ihr persönliches Exemplar in den Händen halten können.

Wir bedanken uns bei den Milchsammelwagenfahrern, die für uns immer zuverlässig die Verteilung an alle Milchbauern in Bayern übernehmen.

Vorab können Sie die neue Ausgabe bereits online lesen.

 

Aus dem Inhalt:

  • Sicher vor Hemmstoffen
  • Tierseuchenbeiträge 2021
  • Forschung bringt Fortschritt
  • mpr-Tochter unterstützt Milchwirtschaft
  • „Guter Käse entsteht im Stall und auf der Weide!“
  • Mensch oder Maschine?
  • Naturnah melken
  • Eutergesundheit und Melken
  • Behandlung von Mastitis ohne Einsatz von Antibiotika
  • Die Milch macht’s!
  • Lebendhefe unterstützt die Pansenentwicklung
  • Online-Klickhits auf www.milchpur.de
  • Schnelle Klauenpflege mit dem Speed-Fix
  • Wellness für die Kuh beginnt beim Stallbau
  • Es werde Licht
  • Füttern mit Kalkül
  • Gut geprüft: Top Silagequalität
  • Steigende Maiserträge dank Präzisionszüchtung
  • Grünland: Schäden beheben!

 

Wir wünschen Ihnen viel Spaß beim Lesen! Gerne können Sie auch in den letzten Ausgaben schmökern. Unter Milchpur - Archiv

Aus Milch wird ein Medikament

(DLG). Dr. Hans-Jürgen Heidebrecht, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Lebensmittel- und Bioprozesstechnik unter Leitung von Prof. Dr. Ulrich Kulozik (Technische Universität München), ist jetzt mit dem Innovation Award „Junge Ideen“ der DLG (Deutsche Landwirtschafts-Gesellschaft)  ausgezeichnet worden. Seine Dissertation „Vom Lebensmittel zum Arzneimittel“ * überzeugte die Experten-Jury, weil darin die Schlüsseltechnologie der Milchproteinfraktionierung entscheidend verbessert wurde. Die neuen prozesstechnischen Voraussetzungen ermöglichen es, Antikörper aus Kuhmilch anzureichern und zu isolieren. Diese können als Ersatz für eine unspezifische Antibiotika-Therapie bei Menschen und Tieren eingesetzt werden. Der mit 2.500 Euro dotierte DLG-Lebensmitteltechnologiepreis fördert herausragende Nachwuchswissenschaftler. Die Verleihung fand im Rahmen der Online-Konferenz DLG-Think Food statt.  

Bei der von Dr. Heidebrecht weiterentwickelten Mikrofiltration wird Milch mit Druck durch leistungsstarke Membranen gepresst und in zahlreiche Einzelkomponenten gespalten. Auf diese Weise lassen sich spezifische Antikörper aus dem Filtrat gewinnen. In einem zweiten Schritt wurde ein neuer Chromatographie-Prozess entwickelt, mit dem die Gewinnung von industriellen Mengen an reinem Antikörper möglich ist. So lassen sich je nach Anwendungsgebiet angereicherte oder isolierte Antikörperpräparate herstellen.

Bei Antikörpern (Immunglobulinen) handelt es sich um Eiweißmoleküle, die vom Immunsystem gebildet werden und der Bekämpfung von Krankheitserregern oder anderen Fremdstoffen dienen. Sie erkennen bzw. markieren in den Körper eingedrungene Krankheitserreger und aktivieren das körpereigene Immunsystem.

Neugeborene Kälber besitzen direkt nach der Geburt noch kein humorales Immunsystem. Für sie ist die erste Milch (Kolostrum) der Mutterkuh deshalb lebenswichtig. Denn das trächtige Tier hat spezifische Antikörper gegen pathogene (Umwelt-)Agenzien gebildet, die mit der ersten Milch an das Neugeborene weitergegeben werden. Das Kalb wird auf diese Weise passiv immunisiert und ist so vor Krankheitserregern geschützt. 

Dr. Heidebrecht hat sich das Immunsystem der Mutterkuh zunutze gemacht, indem er sie aktiv immunisiert. Er setzt das Tier menschlichen Krankheitserregern aus, was der Kuh nicht schadet, aber ihr Immunsystem stimuliert, spezifische Antikörper gegen diese humanen Pathogene zu bilden. Sie können mit Hilfe der Membrantechnik aus der Milch gewonnen und mittels eines neu entwickelten Chromatographie-Prozesses isoliert werden. „Wir reichern diese an oder isolieren sie und nutzen sie dann für die passive Immunisierung von Menschen. Das ist wesentlich zielgerichteter als die weitverbreitete, unspezifische Gabe von Antibiotika“, erläutert Dr. Heidebrecht seine anspruchsvolle Dissertation, deren Grundprinzip auf verschiedenste Krankheitsbilder von Mensch und Tier angewendet werden kann – dank neuer verfahrenstechnischer Voraussetzungen. Dieses Pilotprojekt, bei der aus Milch ein Medikament erzeugt wird, könnte ein komplett neues Geschäftsfeld für die Lebensmittelbranche bzw. Milchwirtschaft eröffnen. 

DLG Innovation Award „Junge Ideen“

Der DLG Innovation Award „Junge Ideen“ wird jährlich vergeben und ist mit 2.500 Euro dotiert. Der Preis fördert Forschungsarbeiten junger Wissenschaftler, die sich produkt- und branchenübergreifend mit folgenden Themenbereichen befassen: Lebensmitteltechnologie, Verpackung, Abfülltechnologie, Ingredienzien, Produktentwicklung, Automatisierung, Qualitätssicherung, Hygiene, Gesundheit, Ernährung oder Business-Modelle. Unter den Bewerbern ermittelt der wissenschaftliche Beirat des DLG-Hauptausschusses Lebensmittel den Preisträger.

 

* Titel der Dissertation: Vom Lebensmittel zum Arzneimittel: Prozessentwicklung und Verwendung von funktionalisierten polyklonalen Antikörpern aus Kuhmilch zur Behandlung von Infektionen verursacht durch multiresistente Bakterien

Quelle: DLG - Deutsche Landwirtschafts-Gesellschaft

Große Erfolge bei der Antibiotikaminimierung

Im Juli meldete das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL), dass die Menge der in der Tiermedizin abgegebenen Antibiotika in Deutschland im Jahr 2019 erneut zurückgegangen ist. Sie sank im Vergleich zum Vorjahr um 52,2 auf 670 Tonnen, das sind 7,2 Prozent weniger als im Jahr 2018. Die Abgabemenge erreichte damit das niedrigste Niveau seit der ersten Erfassung im Jahr 2011 mit 1.706 Tonnen. Das entspricht einem Rückgang in diesem Zeitraum von 60,7 Prozent. Hervorzuheben ist, dass die abgegebenen Mengen der Fluorchinolone sowie Cephalosporine der 3. und 4. Generation auf den niedrigsten Wert seit 2011 sanken. Seit 2014 wird neben den Abgabemengen auch die Therapiehäufigkeit mit Antibiotika bei Masttieren bestimmt. Landwirte sind verpflichtet, jede Behandlung über die Wirktage des Mittels zu dokumentieren.

Tiergesundheitsmanagement

Um weiterhin aktiv die Entwicklung antimikrobieller Resistenzen zu bekämpfen, sollte Ziel sein, mittels eines umfassenden Tiergesundheitsmanagements Krankheiten vorzubeugen und die Behandlung mit Antibiotika auf das notwendige Maß zu beschränken. Bei den Konzepten zur Prävention von Krankheiten spielen deshalb Impfstoffe und auch immunmodulierende Tierarzneimittel eine bedeutende Rolle. Eine dem Tier angemessene Versorgung mit geeigneter Fütterung und Haltung sowie Diagnostika, die eine frühzeitige Erkennung von Erkrankungen ermöglichen, tragen ebenfalls dazu bei, Tiere gesund zu halten. Maßnahmen zur Infektionskontrolle und Vermeidung eines Resistenztransfers auf dem landwirtschaftlichen Betrieb sowie in vor- oder nachgelagerten Stufen der Lebensmittelkette komplettieren das Bild, um den Verbraucher mit hochwertigen Lebensmitteln vom Tier zu versorgen. Zu beachten bleibt, dass auch bei bester Hygiene und Prävention Tiere nach wie vor krank werden und behandelt werden müssen, wenn erforderlich auch mit Antibiotika.

Mit der neuen EU-Tierarzneimittel-Verordnung verbinden sich weitere Erwartungen. So soll die Verfügbarkeit von Tierarzneimitteln in den Ländern der Europäischen Union größer, der Anreiz für Innovationen gesteigert und der Kampf gegen Antibiotikaresistenzen verstärkt werden. Die Verordnung soll ab dem 28. Januar 2022 zur Anwendung kommen. Sie sieht u.a. vor, dass besonders kritische Antibiotika künftig der Humanmedizin vorbehalten sein sollen.

Experten-Gremium

Ein europäisches Experten-Gremium hat bereits Empfehlungen zu diesen Kriterien und zur Kategorisierung der Antibiotika in vier Gruppen formuliert, nämlich „A: Vermeiden“, „B: Einschränken“, „C: Vorsicht“ und „D: Umsichtig“. Wichtiges Ziel ist es dabei, künftige Therapieoptionen für die Tiermedizin zu erhalten. Experten betonen, dass darüber hinaus neue Antibiotika entwickelt werden müssten. Intensiv arbeiten Wissenschaftler daran, die Mechanismen der Resistenzentwicklung und die Übertragungswege zu verstehen.

Erwartet wird, dass sich hieraus ergebende Ansatzpunkte für neue Antibiotika der Humanmedizin vorbehalten bleiben werden. Das neue Wissen wird aber auch genutzt, um bekannte Wirkstoffe zu optimieren oder andere Konzepte zur Kontrolle oder zu Alternativen weiterzuentwickeln.

Tiergesundheit trägt in entscheidendem Maß zu einer produktiven und damit ressourcenschonenden Tierhaltung in der Landwirtschaft bei. Gesunde Tiere verbrauchen weniger Ressourcen wie Futter, Wasser und damit Fläche mit der Folge, dass weniger Gülle und Emissionen anfallen. Je intensiver die Haltung und je gesünder die Tiere, desto stärker werden die Einspareffekte.

Krankheitsbedingte Verluste

Laut FAO und der Welttiergesundheitsorganisation (OIE) machen krankheitsbedingte Verluste etwa 20 % der Gesamtproduktion aus. Ein Beispiel: Mastitis-Management und Impfung verbessern die Gesundheit und das Wohlbefinden von Milchkühen. So können wirtschaftliche Einbußen von 375 kg Milchertrag bzw. bis zu 182 € pro Kuh/Jahr vermieden werden. Antibiotika sollen jedoch nicht als „billiges Produktionsmittel“ eingesetzt werden, sondern dienen der Behandlung kranker Tiere. Die prophylaktische Anwendung von Antibiotika ist verboten. Auch als sogenannte Leistungsförderer dürfen sie in der Europäischen Union bereits seit 2006 nicht mehr eingesetzt werden.

Der Bundesverband für Tiergesundheit e.V. (BfT) vertritt die führenden Hersteller von Tierarzneimitteln (Pharmazeutika und Biologika), Diagnostika und Futterzusatzstoffen in Deutschland. Die Mitgliedsunternehmen sind in der Entwicklung, Herstellung und Vermarktung dieser Produkte aktiv und repräsentieren dabei mehr als 95 % des deutschen Marktes. Der BfT ist korporatives Mitglied im Verband der Chemischen Industrie (VCI), im Weltverband der Tiergesundheitsindustrie (HealthforAnimals) und im europäischen Verband der Tiergesundheitsindustrie (AnimalhealthEurope).

 

Quelle: Bundesverband für Tiergesundheit e.V. (BfT)

Steckbrief zur Milchviehhaltung

Das Thünen-Institut hat eine Status-Quo-Darstellung der deutschen Milchviehhaltung im Jahr 2020 veröffentlicht. Es wird zum einen auf die Versorgungsbilanzen und den Handel Deutschlands mit Milchprodukten im Vergleich zu anderen EU-Mitgliedsstaaten eingegangen. Zum anderen werden die Milchviehbestände sowie Betriebsstrukturen und ihre Entwicklung im Zeitverlauf dargestellt. Weiter werden die unterschiedlichen Haltungs- und Produktionssysteme sowie die Leistungsparameter und die Wirtschaftlichkeit der Milchkuhhaltung in Deutschland abgebildet.

Zum Steckbrief

Sojadrink bleibt Sojadrink

Dies bedeutet, dass die Milch und Milcherzeugnissen vorbehaltenen Bezeichnungen zukünftig auch vor jeder direkten oder indirekten kommerziellen Verwendung der Bezeichnung für vergleichbare Produkte oder Produkte, die als ersetzbar eingestuft werden und nicht der entsprechenden Definition entsprechen, geschützt sind. Darüber hinaus werden Milch und Milchprodukte gegen jeden Missbrauch, Nachahmung oder Anspielung geschützt, selbst wenn die Zusammensetzung oder die wahre Natur des Produktes angegeben ist oder von einem Ausdruck wie „Stil“, „Typ“, „Methode“, „wie hergestellt in“, „Nachahmung“, „Geschmack“, „Ersatz“, „wie“ oder ähnliches begleitet wird. Ferner werden Milchbezeichnungen gegen alle anderen kommerziellen Angaben oder Praktiken, die den Verbraucher hinsichtlich der wahren Natur oder Zusammensetzung des Produkts irreführen könnten, geschützt.

„Das ist nach der Tofu-Town-Entscheidung des Europäischen Gerichtshofs aus 2017, in dem er den Bezeichnungsschutz für Milch und Milcherzeugnisse eindrucksvoll bestätigt hat, ein weiterer Meilenstein, mit dem auch eine effektivere Durchsetzung des Bezeichnungsschutzes für Milch und Milcherzeugnisse nachhaltig gestärkt wird“, so Dr. Jörg Rieke, Geschäftsführer des Milchindustrie-Verbandes.

Wie die heute vom Europäischen Parlament verabschiedete Ergänzung zum Bezeichnungsschutz Milch am Ende aussehen wird, bleibt abzuwarten, da hierüber noch im ausstehenden Trilog zwischen Rat, Europäischem Parlament und der EU-Kommission eine Verständigung zu erzielen ist.

Quelle: MIV

Trächtigkeitsuntersuchungen weiter gefragt

Im Labor des Milchprüfring Bayern e.V. (mpr) wurden bis dato 1,15 Millionen PAG-Tests aus Milch untersucht. Weltweit wurde somit die größte Anzahl der PAG-Proben im mpr-Labor in Wolnzach analysiert. Auch die vollautomatische PAG-Anlage zur Untersuchung der Proben ist international einmalig. Damit hat der mpr ein Novum im Bereich Trächtigkeitsuntersuchung geschaffen.

Der PAG-Test aus Milch ist innerhalb kurzer Zeit zum Erfolgsmodell geworden und erhält von den Landwirten größten Zuspruch. Bereits ab dem 28. Tag nach der Besamung und 60 Tage nach der letzten Abkalbung kann die Trächtigkeit einfach und unkompliziert über die Milch bestimmt werden.

Der größte Anteil der Proben (95 Prozent) läuft über die Milchleistungsprüfung des LKV Bayern e. V. Das Landeskuratorium bietet den PAG-Test in vier Varianten an:

•        KuhPM (Test für einzelne Kuh innerhalb des Probemelkens (PM)),

•        KuhEinzel (Test für einzelne Kuh außerhalb des PM),

•        HerdePlus (automatischer Frühträchtigkeitstest + Bestätigungstest) und

•        HerdeComfort (automatischer Frühträchtigkeitstest + Bestätigungstest sowie zusätzlichem Spätträchtigkeitstest ab dem 160. Trächtigkeitstag).

Der Milchprüfring Bayern e.V. bietet den Landwirten zusätzlich Einzelproben zur Untersuchung im 10er-Set an. Der PAG-Test ist auch für Ziegen und Schafe geeignet.

Seit 2014 bieten der Milchprüfring Bayern e. V. und das LKV Bayern e.V. den PAG-Test aus Milch an. Der PAG-Test aus Milch ist ein Labortest (ELISA) zum Nachweis von Glykoproteinen (Pregnancy-Associated Glycoprotein = PAG) in Kuh-, Ziegen- und Schafmilch. PAG´s werden ausschließlich in der Trächtigkeit gebildet. Alle Informationen rund um den PAG-Test aus Milch finden Sie auf der Homepage des Milchprüfring Bayern e.V. sowie auf der Seite des Lan­des­ku­ra­to­ri­um der Er­zeu­ger­ringe für tier­i­sche Ver­e­de­lung in Bayern e.V..

Tierhaltung weiterhin ein Unfallschwerpunkt

Jahr für Jahr gehen die Unfallzahlen zurück – im Schnitt um rund fünf Prozent pro Jahr. 2019 lag der Rückgang im Vergleich zum Vorjahr sogar bei rund 7,5 Prozent. „Eine sehr erfreuliche Entwicklung, die jedoch nicht darüber hinweg täuschen darf, dass die absolute Zahl der Tierhalter, die während der Arbeit verunglückten, nach wie vor erschreckend hoch ist“, so der SVLFG-Vorstandsvorsitzende Arnd Spahn. 16.100 Personen erlitten im vergangen Jahr einen meldepflichtigen Arbeitsunfall in der Tierhaltung. Meldepflichtig bedeutet, dass die betroffene Person sich in ärztliche Behandlung begeben hat und für mehr als drei Tage arbeitsunfähig war. Am häufigsten verletzten sich Menschen zwischen 50 und 65 Jahren. In dieser Altersgruppe ereigneten sich 6.000 und damit fast 40 Prozent aller Unfälle sowie neun der Unfälle mit tödlichem Ausgang.

Tritte, Stöße, Quetschungen
Mehr als ein Drittel der Arbeitsunfälle und nahezu alle der tödlich verlaufenden Unfälle in der Tierhaltung ereigneten sich im direkten Umgang mit den Tieren, vor allem mit Rindern und Pferden. Die meisten Unfälle werden durchs Melken, Treiben und Behandeln verursacht, tödliche Unfälle oft durch Angriffe von Bullen. In der Pferdehaltung liegen die Unfallursachen schwerpunktmäßig im Reiten und Führen.

Typische Risiken kennen und vermeiden
Die meisten Unfälle folgen bestimmten Mustern. Tiere verletzen Menschen nicht aus böser Absicht. Ihr Verhalten ist von Instinkten geprägt. Pferde stürmen los, wenn sie sich erschrecken, Bullen greifen an, um die Herde zu schützen oder Rangkämpfe auszutragen, Fersen sind in ihrem Verhalten noch ungestüm und Mutterkühe besch
ützen ihren Nachwuchs. Unfälle lassen sich durch angepasste Haltungsformen mit baulich-technischen Einrichtungen, zum Beispiel Separier- und Fixiereinrichtungen, mit einer durchdachten Arbeitsorganisation und durch die richtige Persönliche Schutzausrüstung vermeiden.
Die SVLFG hält entsprechende Praxishilfen bereit. Neben Broschüren gibt es Muster-Betriebsanweisungen (auch fremdsprachig), Muster-Gefährdungsbeurteilungen und Unterweisungshilfen. Weil auch der richtige Umgang und das Verständnis für die natürlichen Verhaltensweisen von Tieren wichtig sind, bietet die SVLFG Kurse für Rinder- und Pferdehalter an.

Den Arbeitsalltag besser organisieren
Fast die Hälfte aller Arbeitsunfälle ereilen Tierhalter, weil sie ausrutschen, stolpern, hinfallen, sich verrenken, umknicken, sich schneiden oder sich stechen. Auch um solche Unfälle zu vermeiden, helfen eine bessere Arbeitsorganisation, eine angepasste Persönliche Schutzausrüstung und strukturiertes, vorausschauendes Arbeiten. Eine Gefährdungsbeurteilung für jeden Arbeitsbereich im Betrieb und eine verbindliche Unterweisung der Beschäftigten schaffen Klarheit, wie welche Arbeiten ausgeführt werden müssen, damit niemand zu Schaden kommt.

 

Weitere Informationen
Die SVLFG informiert detailliert zur Arbeitssicherheit für Tierhalter auf ihrer Internetseite, zum Beispiel unter www.svlfg.de/rinderhaltung sowie mit Filmen auf ihrem YouTube-Kanal
unter www.youtube.com (Suchbegriff SVLFG).

Quelle: SVLFG

Grüne Branche drittgrößter Wirtschaftsfaktor in Bayern